Der Schriftsteller Max Frisch (1911-1991, „Homo Faber“) notierte einst Fragen, die auch den klügsten Kopf in Verlegenheit bringen. Mit freundlicher Genehmigung des Suhrkamp-Verlags, in dem der Fragebogen erschienen ist, lassen wir regelmäßig prominente Persönlichkeiten auf einige der Fragen antworten – heute ist die Schriftstellerin Chris Inken Soppa an der Reihe.

Möchten Sie das absolute Gedächtnis?

Ich stelle es mir anstrengend vor, nichts zu vergessen, unwichtige Erinnerungen von wichtigen nicht trennen zu können. Womöglich nachtragend zu sein, auch mir selbst gegenüber. Lieber hätte ich das absolute Gehör.

Können Sie sich eine Frauenwelt vorstellen?

Eine Welt, die nur aus Frauen besteht? Die geriete wohl etwas einseitig. Eine Männerwelt übrigens ebenso. Lieber möchte ich in einer anregenden und möglichst vielfältigen Welt leben.

Können Sie ohne Hoffnung denken?

Vermutlich nur im Kreis, immer wieder rundherum, in Endlosschleife. Und nichts käme dabei heraus.

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Die Saurier überlebten 250 Millionen Jahre; wie stellen Sie sich ein Wirtschaftswachstum über 250 Millionen Jahre vor?

In 250 Millionen Jahren gibt es keine einzige menschliche Wirtschaft mehr, nicht mal eine Weinstube. Menschen sind zu rückgratlosen Knubbeln geworden, die im Wasser leben und Photosynthese mittels Symbiose mit Algen betreiben. Unsere vermeintliche Vormachtstellung im Naturreich haben wir längst verloren. Führend sind nun landlebende Delfine und fliegende Tintenfische.

Können Sie sich eine menschliche Existenz (das heißt: die Erste Welt) überhaupt noch vorstellen ohne Computer?

Momentan noch schwer. Aber vielleicht sind wir bald gezwungen, uns wieder mehr ins Analoge zu begeben. Seltene Erden könnten knapp und Endgeräte im Alltag unerschwinglich werden. Es wäre wohl ratsam, zu lernen – oder nicht zu verlernen – auch ohne Rechner klarzukommen.

Wann hat die Technologie begonnen, unsere menschliche Existenz nicht mehr zu erleichtern (was ursprünglich der Zweck von Geräten ist), sondern eine außer-menschliche Herrschaft über uns zu errichten und die Natur, die sie sich unterwirft, uns zu entwenden?

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Vielleicht hat all das mit dem Wort „praktisch“ begonnen. Smartphones und Internet sind „praktisch“, man muss bloß ein bisschen tippen und wischen, statt sich vom Sofa zu bewegen und vor die Tür zu gehen. So vertrauen wir unser Denken und Tun zunehmend und ganz freiwillig den Maschinen an und geben nach und nach nicht nur Arbeit, sondern auch Kontrolle aus der Hand.

Gesetzt den Fall, Sie haben nie einen Menschen umgebracht, wie erklären Sie es sich, dass es dazu nie gekommen ist?

Bis jetzt durfte ich in Frieden leben und habe großes Glück gehabt.