Sanft flutet das Licht der Abenddämmerung durch die Buntglasscheiben, während ein riesiger Jesus in lila Licht getaucht wird und über alles ragt. Inmitten dieser Szenerie singt Valer Sabadus mit kristallklarer Stimme davon, dem Paradies näher zu kommen.

Bei den schwindelerregenden Tonhöhen, in denen der Sänger sich bewegt, erscheint das auf einmal auch in greifbarer Nähe. „Closer to Paradise“ heißt das aktuelle Programm, welches er in Kooperation mit Spark, der selbsternannten klassischen Band, konzipiert hat. Der 36-jährige Countertenor gehört zu den renommiertesten seiner Riege. Erst 2020 bekam er den Händel-Preis der Stadt Halle verliehen.

Neben seiner Liebe zu Barockmusik zieht es ihn jedoch auch immer wieder über die Grenzen der klassischen Musik hinaus. Bereits in der Vergangenheit kam es so zu Projekten mit dem Rapper Samy Deluxe oder mit der syrischen Sängerin Dima Orsho. Mit Spark scheint der rumänisch stämmige Musiker nun auf Glaubensgenossen gestoßen zu sein. Das Quintett aus verschiedensten Blockflöten, Melodica, Klavier, Cello und Geige hat es sich auf die Fahne geschrieben, klassische Musik in einen modernen Kontext zu stellen.

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2011 erhielten sie dafür auch den Echo Klassik. Nun sind die fünf Künstler zum Ensemble in Residence des diesjährigen Bodenseefestivals geworden. Damit hat sich nun ein guter Zeitpunkt für eine gemeinsame Zusammenarbeit der Experimentierfreunde geboten. Ende April ist das daraus entstandene Album erschienen. Innerhalb des Festivals finden nun die einzigen beiden Auftritte in genau dieser Besetzung statt.

Auf deutscher Bodenseeseite ist die Klosterkirche Hegne der Aufführungsort dafür und passender hätte dieser kaum gewählt werden können. Die Klänge, die der Sänger zu erzeugen schafft, sind von einer überirdischen Schönheit geprägt. Spark bietet wiederum genau den richtigen Rahmen, um diese voll zur Geltung kommen zu lassen. Die Stückwahl ist dabei überraschend, aber bezeichnend für das Ensemble.

In vier thematisch geordneten Kapiteln soll die Sehnsucht als Klangerlebnis erkundet werden. Dazu werden sowohl musikalische Genre als auch Epochen wild durcheinander geschmissen. Aber erstaunlicherweise wird es hier plötzlich vollkommen stimmig, wenn auf Robert Schumanns „In der Fremde“ anschließend eine ganz eigene Version von Rammsteins „Seemann“ folgt. Stilübergreifend gelingt es den sechs Vollblut-Musikern, zutiefst zu berühren. Egal ob mit Ravel oder Depeche Mode lassen sie himmlische (Klang-)Welten entstehen.