Ein junger Mann kämpft um seine Freundin und das gemeinsame Kind. Wohl wissend, dass er zu cholerischen Ausfällen neigt und im Grunde immer auf der Verlierer-Seite stand.

Darum geht es in dem Drama «Kids Run» an diesem Dienstag (22.45 Uhr, ZDF). Der Film läutet die diesjährige Staffel der Reihe «Shooting Stars - Junges Kino im Zweiten» ein, die leider nur im Spätprogramm läuft.

Andi (Jannis Niewöhner) gilt als aufbrausend und launisch, er ist ständig pleite und bekommt nahezu nichts auf die Reihe. Aber drei Kinder hat er, von zwei Frauen - nun will er seine letzte Ex-Freundin Sonja (Lena Tronina) zurück, um mit ihr endlich eine Familie zu gründen. Sie jedoch möchte ihr gemeinsames Kind mit einem anderen, etwas solideren Mann aufziehen und stellt ihm ein Ultimatum: Wenn Andi es nicht schafft, seine Schulden schnellstmöglich zurückzuzahlen, dann wird er Freundin und kleine Tochter nicht mehr wiedersehen. Als Andi endlich begreift, was auf dem Spiel steht, beginnt er, um Liebe und Familie zu kämpfen - und setzt bei einem brutalen Box-Preiskampf alles aufs Spiel.

Der Debütfilm von Autorin und Regisseurin Barbara Ott (39, «Deadlines», «Für Jojo») legt harten Tobak vor, der für manchen Zuschauer nur schwer verdaulich sein dürfte. Die Sprache ist derb, die Umgangsformen ebenso, es ist Winter im Niemandsland, wo alles spielt, und überall düster und dreckig.

Am stärksten unter den zerrissenen Umständen leiden natürlich die drei Kinder, die ihre beiden Mamas und den Papa trotz alledem sehr lieb haben - was diese wiederum kaum wahrnehmen oder sogar bezweifeln. Das gilt vor allem für Andis erste und ziemlich unzuverlässige Frau Isabell (Carol Schuler), bei der Tochter Nikki (Eline Dienst) und Sohn Ronny (Giuseppe Bonvissuto) aufwachsen - in Verhältnissen, die mit der Umschreibung schwierig nur unzureichend beschrieben sind.

Jannis Niewöhner (30, «Narziss und Goldmund», «Je suis Karl») gibt mit eindrücklichem Spiel einen jungen Mann, der Sehnsüchte und einen Willen hat, aber trotzdem nicht weiß, wie er aus seiner nicht endenwollenden Misere herauskommen soll. Er schreit, tobt und schlägt um sich - gleichzeitig geht er mit seinen Kindern sehr liebevoll um. Aber es ist völlig klar, dass er mit seinem Dasein als verantwortungsvoller Vater restlos überfordert ist, während er gegen nahezu alle Ungerechtigkeiten der Welt kämpft.