Fachkräfte aus dem Ausland sollen die Personalnot in der Pflege lindern. Doch das ist nicht so einfach: für die auf Hilfe angewiesenen Familien, erst recht aber für die Pflegenden selbst, die in Deutschland mit einer fremden Sprache und den Eigenheiten der Deutschen zurechtkommen müssen. 

Arte widmet sich diesem Thema mit einem Spielfilm auf unterhaltsame, aber auch auf tragische Weise.

Die Tragikomödie «Die Vergesslichkeit der Eichhörnchen» am Freitag um 20.15 Uhr rückt die Arbeitsbedingungen ausländischer Pflegekräfte in den Mittelpunkt. Erzählt wird die Geschichte der 27 Jahre alten Marija aus der Ukraine, die in Deutschland Geld für ihre Familie verdienen will. Ihr fünfjähriger Sohn ist in der Heimat geblieben.

«Ich habe Germanistik studiert, meine Mutter war Deutschlehrerin», sagt Marija und verblüfft damit Almut, Tochter des demenzkranken Kurt, um den sie sich nun rund um die Uhr kümmern soll. Das Telefon in der Villa ist für Auslandstelefonate gesperrt. Marija ist nach Meinung von Almut zum Arbeiten da. Besuch darf sie nicht empfangen.

Wenn Erinnerungen verloren gehen

Wie viele Fachkräfte aus dem Ausland muss auch Marija gegen Skepsis und Misstrauen ankämpfen. «Ich will sie nicht, ich will trinken», schnauzt Kurt Wieland zu Beginn. Er beschimpft sie als «Husarin», von der er sich nicht helfen lassen wolle. Doch das ändert sich.

Der Film erzählt zugleich von einer Krankheit, bei der schleichend die Erinnerung verloren geht und Betroffene etwa beim Essen oder beim Waschen auf andere angewiesen sind. Privat organisierte Hilfe aus dem Ausland soll Familien bei der beschwerlichen Arbeit helfen.

Die kontrollsüchtige Almut hat ihren Vater lange gepflegt und sollte froh über jede Unterstützung sein. Das zeigt sie aber nur selten: «Du hast es ja auch nicht leicht: der Krieg und die Armut da drüben. Ich bete für Menschen wie dich. Ach übrigens, du hast den Müll nicht sortiert. Wir trennen hier.» Dankbarkeit klingt anders.

Dabei ist die Bundesrepublik auf Pflegende aus dem Ausland angewiesen. Dem Institut für Gesundheitswirtschaft zufolge ist die Zahl der Pflegebedürftigen zwischen 2009 und 2019 um 76 Prozent gewachsen. Es mangelt aber an nach wie vor an qualifiziertem Personal: Auf 12 900 freie Stellen kämen derzeit 5400 arbeitslose Fachkräfte, errechnete jüngst die Bundesagentur für Arbeit.

Emilia Schüle als Pflegerin

Abhilfe schaffen soll Zuwanderung aus dem Ausland. Laut Statistischem Bundesamt wurden 2020 rund 16.300 ausländische Abschlüsse in Pflegeberufen in Deutschland anerkannt. Für Experten dauern die Anerkennungsverfahren immer noch zu lang.

Die höfliche Ukrainerin Marija lässt sich nicht entmutigen. Als der demente Curt sie mehr und mehr für seine verstorbene Frau hält und er seine Tochter nicht mehr erkennt, platzt Almut der Kragen - und beide Frauen geraten aneinander. Sie giftet: «Papa und ich waren immer ein gutes Team, bis Du hier aufgetaucht bist.»

Emilia Schüle («Traumfabrik») spielt die Pflegerin, Günther Maria Halmer («Utta Danella» und «Das Traumschiff») glänzt in der Rolle des verwirrten Rentners, der von seiner Tochter Almut - gespielt von Anna Stieblich («Türkisch für Anfänger») - betreut und kontrolliert wird.

Einen weiteren Schauplatz bekommt der Film des Regie- und Drehbuchteams Nadine Heinze und Marc Dietschreit mit dem Auftritt von Kurts Sohn Philipp (Fabian Hinrichs, «Franken-Tatort»). Der sucht Marijas Nähe und erhofft sich mehr.