Eine solche Einlieferung bekommt Auktionator Udo Geble nicht alle Tage: zwei Werke von Andy Warhol, dazu ein Aquarell von David Hockney, dessen Kunst gerade im Kunstmuseum Luzern gezeigt wird. Normalerweise werden derartige Stücke in New York oder London versteigert. Eine spannende Auktion also, die 117. des Routiniers Geble am 8. Oktober.

Das Startangebot der Warhols lag bei jeweils 100.000 Euro, das von Hockney bei 120.000 Euro. Da kann nicht jeder mitspielen: Als Interessenten meldeten sich ein Sammler aus Kalifornien und einer aus London. „Sie brauchen Referenzen, und wir müssen sie zulassen“, so Geble. Neue Kunden werden überprüft, die Seriosität muss sicher sein. Ein bekannter deutscher Sammler kam hinzu. Die Zeiten des gut gefüllten Saals sind vorbei, das Geschäft läuft online und am Telefon, auch schriftliche Angebote sind möglich.

Von der Privatsammlung ins Auktionshaus

Auch die Herkunft der Werke muss lückenlos geklärt sein: Die drei Originale stammen aus der Sammlung von Drue Heinz, der dritten Ehefrau von H. J. Heinz II. Er war von 1941 bis 1966 Präsident des Ketchup-Imperiums, das sein Großvater gegründet hatte. Er starb 1987, seine Frau als 103-Jährige 2018.

Die kunstsinnige Witwe mit Wohnsitzen in England und Schottland, New York und am Comer See hinterließ eine bedeutende Sammlung, die meisten ihrer Werke wurden in New York und London versteigert. Einige kleinere hatte sie ihrem langjährigen Verwalter und Fahrer geschenkt, als Dank für seine treuen Dienste. Ab 2019 waren sie in einer süddeutschen Privatsammlung, von dort kamen sie ins Auktionshaus Geble.

Kurz vor dem Zuschlag: hohe Konzentration bei Auktionator Udo Geble und seiner Tochter Florin Christin Kögel.
Kurz vor dem Zuschlag: hohe Konzentration bei Auktionator Udo Geble und seiner Tochter Florin Christin Kögel. | Bild: Doris Burger

Die beiden Warhols sind nur so groß wie Wandkacheln, jeweils 12,7 auf 12,7 Zentimeter, und zeigen Blumen in Orange und Hellblau. Auf der Rückseite der Leinwand des Hellblauen die handschriftliche Widmung „Drue 1975 Love“ und die Signatur Warhols. 136 davon wurden 1964 von Warhol hergestellt, doch jedes ist anders, jedes ein Original.

Auch Hockney widmete sein Aquarell Drue Heinz persönlich, es zeigt einen Blick von ihrer Villa Maresi auf den Comer See. Die gebürtige Engländerin hatte gerne Besuch: Neben Schriftstellern und Künstlern waren Lady Di, George Clooney sowie Kofi Annan zu Gast, der im Garten-Pavillon, gezeichnet auf der Bildmitte, seine Biografie geschrieben haben soll. Darunter die Signatur Hockneys aus dem September 2003.

In 5000er-Schritten steigt der Preis

Für Auktionator Udo Geble, der das Geschäft inzwischen mit seiner Tochter Florin Christin Kögel führt, ein besonderer Coup. Doch die Auktion selbst läuft lässig und zugleich konzentriert ab wie immer: Von Büchern über Porzellan, Silber, Schmuck und Uhren arbeiten sie sich vor, zu Möbeln, Skulpturen und den Gemälden. Zehn Kunden im Saal, eher für Kleineres, dahinter die Telefon-Spezialistinnen, die rechtzeitig bei den Interessenten anrufen.

Damit diese in der Leitung sind, wenn es zur Sache geht: Position 547, „Flowers“ von Andy Warhol, vier hellblaue Blüten vor Grasbüscheln. Startgebot 100.000 Euro, in 5000er-Schritten geht es voran. Bis der Hammer, in Gebles Fall ein Kugelschreiber, fällt, bei 130.000 Euro. Position 548, die Blüten in Orange, sind begehrter, nochmals und nochmals 5000 kommen hinzu. Bei 150.000 Euro steigt einer der Bieter, vielleicht auch eine Bieterin, aus. Das Publikum atmet wieder aus.

Das könnte Sie auch interessieren

Nächste Position, ein kleinformatiges Mädchen-Porträt von Jef Wauters, Öl auf Karton, ist aufgerufen, für 50 Euro. Ein Taschengeldpreis. Auch für den Auktionator, der immer mitverdient. Der Hockney, Position 563, bringt das Mindestgebot, gänzlich unspektakulär: 120.000 Euro.

Der Erlös geht an den Sammler aus der Region, der eingeliefert hat. Für den Käufer kommt das Aufgeld für den Auktionator von 23,8 Prozent hinzu, „inklusive der gesetzlichen Mehrwertsteuer von 19 Prozent“.

Geble ist zufrieden, so wird er am nächsten Tag bekunden. Nun gilt es weiter zu arbeiten, viel Papierkram, Rechnungen, Abwicklung. Und dann müssen die Werke wieder auf Reisen gehen, via internationaler Spedition üblicherweise. Das geht in Absprache mit dem Kunden: zweimal Warhol zum Sammler nach England, ein Hockney in die USA.