Die junge Eugénie muss eine feurige Schönheit gewesen sein: mit blauen Augen und roten Haaren als Erbe der halbschottischen Mutter, dazu mit dem spanischen Temperament des Vaters ausgestattet. Louis Napoleon soll sich auf der Stelle verliebt und beschlossen haben, sie zu heiraten. Diese oder keine, soll er gesagt haben, und er setzte sich damit in Frankreich durch, wo man meinte, Eugénie de Montijo sei nicht standesgemäß.

Passend, aber nicht leidenschaftlich

Napoleon war zuvor einmal passend, aber wenig leidenschaftlich verlobt. Am Bodensee, wo er im Exil aufwuchs, waren seine Affären berüchtigt. Doch nun dies, eine „Liebesheirat“, wie man in England spottete. Eugénie war 26 Jahre alt, Napoleon achtzehn Jahre älter. Erst kurz zuvor, am 2. Dezember 1852, hatte er sein politisches Ziel erreicht: Er war zum Kaiser Napoleon III. ausgerufen worden.

Bald war Eugénie schwanger, doch verlor sie das Kind nach einem Reitunfall. Erst im März 1856 kam der ersehnte Thronfolger zur Welt, der kaiserliche Prinz, Eugéne Louis Jean Joseph Bonaparte. Er wurde zum Augenstern des Kaiserpaares, blieb er doch das erste und letzte Kind.

Die Geburt war so schwer, dass Eugénie anschließend von weiteren Schwangerschaften Abstand nahm, berichtet Christina Egli, wissenschaftliche Leiterin im Schloss Arenenberg. Wie sie wohl verhütet hat? – „Nun, sie hat die Schlafzimmertür geschlossen“, sagt Egli lakonisch. Der Kaiser ging wieder auf die Pirsch und Eugénie tolerierte die Untreue, solange sie im Rahmen blieb.

Das Schlafzimmer der Kaiserin auf Arenenberg – mit Originaltapete im Blumenmuster.
Das Schlafzimmer der Kaiserin auf Arenenberg – mit Originaltapete im Blumenmuster. | Bild: Doris Burger

Die Lebensgeschichte Eugénies erzählt Christina Egli, die selbst im vergangenen Jahr zum „Ritter der Ehrenlegion“ ernannt wurde. Das ist die ranghöchste Auszeichnung Frankreichs, wo die Adelstitel bekanntlich abgeschafft wurden. Zusammen mit Museumsleiter Dominik Gügel kuratierte Egli die aktuelle Ausstellung: „Eine Kaiserin bringt Kohle“. Nicht ohne Grund, denn 1906 schenkte Eugénie ihr Schloss samt ausgedehnten Ländereien dem Kanton Thurgau, 80 Jahre war sie damals alt.

Nachdem ihr Sohn viel zu früh und tragisch ums Leben kam, hatte sie keine Verwendung mehr für das Schloss. Jahrelang hatte sie es als Sommersitz genutzt – von England aus, wo sie ab 1870 im Exil lebte.

Bildnis der Kaiserin Eugenie im Krönungsornat, davor ein passend gefertigtes Kleid.
Bildnis der Kaiserin Eugenie im Krönungsornat, davor ein passend gefertigtes Kleid. | Bild: Doris Burger

Eugénie reiste für ihr Leben gern. Nur mit Mühe konnte sie im stattlichen Alter von 90 Jahren davon abgehalten werden, noch zu fliegen: Der Pilot wollte die Verantwortung nicht übernehmen. Die frühere Monarchin fuhr auch gerne nach Frankreich, wo sie eine Villa in Cap Martin an der Côte d'Azur unterhielt. Als Privatfrau, denn politisch hatte sie in Frankreich nichts mehr zu melden. Doch sie war keineswegs Persona non grata, sondern konnte ein- und ausreisen, wie sie wollte.

Cocteau war entgeistert

In Cap Martin traf sie der Schriftsteller Jean Cocteau, der vollkommen entgeistert berichtete: „Sie sah aus wie ein alter spanischer Priester, ihre Augen waren noch stark geschminkt, wie die von Frauen bei Stierkämpfen. Sie lachte sogar wie die Frauen bei den Stierkämpfen, laut und heiser. Sie hasste Blumen. In ihrem Garten gab es nur Kakteen und Felsen.“

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Eine Vorläuferin der heutigen Schottergärten-Besitzer, so scheint es, vielleicht auch der südlichen Sonne geschuldet. Cocteau erzählt weiter: „Sie hatte einen Stock, auf den sie sich stützte, und mit diesem Stock köpfte sie die Blumen, wenn sie eine sah. Ich war sehr, sehr jung, ein junger Dichter. Und die Kaiserin hat eine Blume gepflückt. Ich dachte, sie würde sie niedertrampeln. (...). Sie steckte sie an mein Revers und sagte: ‚Ich besitze nicht mehr die Macht, irgendjemanden zu dekorieren, aber ich verleihe ihnen diese Blume.‘“

Das Schloss Arenenberg liegt fantastisch über dem Untersee: Hier wuchs Prinz Louis Napoleon auf, der spätere Kaiser Napoleon III und Gatte von Kaiserin Eugénie.
Das Schloss Arenenberg liegt fantastisch über dem Untersee: Hier wuchs Prinz Louis Napoleon auf, der spätere Kaiser Napoleon III und Gatte von Kaiserin Eugénie. | Bild: HELMUTH SCHAM

Danach wollte sich der Dichter zurückziehen, doch das wurde ihm keineswegs gestattet. Eugénie begleitete ihn samt ihrem Gefolge ins Hotel – und wieder zurück. „Sie war unermüdlich, sie war sehr, sehr alt, aber sehr leichtfüßig. In ihrem Garten, der steil am Meer war, wirkte sie wie eine Ziege, eine Bergziege.“ Diese Episode erzählt der Dichter in einem historischen Film, der in der Ausstellung zu sehen ist.

In Madrid gestorben

Auch der zweite Streifen zeigt Erstaunliches: Er dokumentiert die weit gefächerte Beerdigungsgesellschaft Eugénies. Der Hochadel und die politischen Häupter halb Europas hatten sich zu Ehren der verstorbenen Monarchin im englischen Farnborough zusammen gefunden. Bestattet wurde die Kaiserin in der Krypta der St. Michael Abtei, neben ihrem Ehemann und ihrem Sohn. Gestorben war Eugénie kurz zuvor in Madrid, am 11. Juli 1920 bei einem Besuch ihres Großneffen, dem Grafen von Alba.

In der Mitte des Ausstellungsraumes haben die Kuratoren ein Sammelsurium von Objekten zusammen gestellt. Beispielsweise eine Vase in Form einer Hortensie, ein Geschenk an Königin Hortense: Eugénies Schwiegermutter residierte ab 1815 zeitweise, von 1824 bis zu ihrem Tod im Oktober 1837 dauerhaft im Schloss Arenenberg.

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Oder das erste Gästebuch: Von 1855 bis 1888 lag es aus, denn schon damals war das Schloss bei Abwesenheit der Besitzer für das Publikum geöffnet worden. Eine Mode aus England, der sich das französische Herrscherpaar anschloss.

Im Jahr 1865 weilte es selbst auf Arenenberg: Napoleon wollte seiner Gattin den Ort zeigen, an dem er aufgewachsen war. Unter Pseudonym, als „Comte“ und „Comtesse de Pierrefonds“ haben sich die beiden eingetragen. Das Anwesen ist bis heute öffentlich zugänglich, so bestimmte es die frühere Monarchin Eugénie für ihre Schenkung. Im Schloss wurde ihr Schlafzimmer wieder hergerichtet und die Originaltapete restauriert: Erstaunlicherweise zeigt sie ein Blütenmuster!

„Eine Kaiserin bringt Kohle“ bis Ende März 2021 zu sehen, Di-So 10-17 Uhr. Winterpause vom 21.12. bis 05.02.2021. Informationen: www.napoleonmuseum.ch