Herr de Burgh, Inspiration für Ihre neue Studioplatte war die Arbeit an „Robin Hood – Das Musical“. Waren Sie als Teenager rebellisch wie Robin Hood?

Nicht so sehr, aber ich war natürlich nicht mit allem einverstanden, was meine Eltern so taten. Das ist ganz normal. Ich war von meinem siebten bis 17. Lebensjahr auf einem Internat. Das hat man damals so gemacht, wenn deine Eltern im Ausland arbeiteten. Ich habe Autoritäten auf eine andere Weise wahrgenommen, weil ich die meiste Zeit des Jahres im Internat war.

Können Sie sich ein bisschen mit Robin Hood identifizieren?

Vielleicht ein bisschen. Er hat sich ja dazu entschieden, anderen zu helfen. Damit kann ich persönlich etwas anfangen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich den Mut hätte, in die Themse zu springen, um jemanden vor dem Ertrinken zu retten. Man muss eine sofortige Entscheidung treffen. Aber man hört solche Geschichten immer wieder. Ich bin kein sehr ausdauernder Mensch, aber ich bin widerstandsfähig. Ich arbeite in einem sehr harten Geschäft. Es ist auf Enttäuschung aufgebaut; die Dinge laufen oft schief. Aber ich habe immer noch Spaß an dem, was ich tue, das ist der Punkt.

Für Sie gibt es sogar eine persönliche Verbindung zur Legende: Ein renommierter Geschichtswissenschaftler hat die These aufgestellt, dass King John dessen Sohn Heinrich III und deren Chefjustiziar Baron Hubert de Burgh (vermutlich 1170-1243) Robin Hood gejagt haben sollen – wobei letzterer ein Vorfahre von Ihnen ist.

Diese Geschichte kannte ich noch nicht. Haben Sie die im Internet gefunden? In dem Fall ist sie wahr! Die Figur Robin Hood ist natürlich ein Räuber. Hubert de Burgh, der für King John und King Richard die Gesetze geschrieben hat, wäre mit Sicherheit in die Jagd involviert gewesen, wenn Robin existiert hätte. In der Legende geht Robin mit seinem besten Freund Guy of Gisbourne auf den Kreuzzug, aber mit der Zeit entfremden sie sich voneinander. Gisbourne wird immer eifersüchtiger auf den heldenhaften Hood, der vom König mit einem goldenen Kruzifix dekoriert wurde. Deshalb will sein Freund ihn ermorden. Am Ende wird Gisbourne zum Sheriff ernannt und heiratet Marian. Die Geschichte ist sehr dramatisch.

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Haben Sie auch schon mal daran gedacht, ein Musical oder Album über Ihre eigene Familie zu schreiben?

Gott, darüber habe ich noch nicht nachgedacht! Die Familie meiner Mutter bestand aus Admirälen und Generälen. Für die wäre es vollkommen abwegig gewesen, eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen. Ich brauchte damals ein bisschen, um meine Eltern von meinem Vorhaben zu überzeugen. Als sie mich das erste Mal im Fernsehen singen sahen, verstanden sie, dass ich einen Traum hatte. Ich war unheimlich naiv und wusste überhaupt nichts über die Musikindustrie. Ich sagte mir einfach: Probiere es aus und schau, ob du es schaffst. Wenn nicht, mach etwas anderes.

Gab es in Ihrer Familie noch andere Künstler?

Nicht, dass ich wüsste. Aber mein Großvater stand mir sehr nahe. Auf dem Marlborough College in England sagte man ihm, er sei zu dumm für die Armee. Nichtsdestotrotz kämpfte er im Ersten Weltkrieg und stieg bis zum General auf. Mitte der 1930er war er Leiter des Generalstabs in Indien und für 600 000 Soldaten verantwortlich. Er war ein wundervoller Mann, mit dem ich viel Zeit verbracht habe.

War der Umstand, dass Sie auf Schloss Bargy Castle im Südosten Irlands aufwuchsen, von Vorteil bei dem Robin-Hood-Projekt?

Ja. Es ist ziemlich schwierig für mich, Lieder über etwas zu schreiben, mit dem ich mich nicht auskenne, abgesehen von meiner starken Vorstellungskraft. Nicht viele Solokünstler können sagen, dass sie in 47 Jahren 320 Songs geschrieben haben. Ich kann es selbst kaum glauben.

Wie war es, als Kind in einem Schloss aus dem 15. Jahrhundert zu spielen?

Wir zogen dort ein, als ich zwölf war. Es war um Weihnachten herum. Im gesamten Schloss gab es keine Elektrizität, keine Heizung, kein fließend Wasser und keine Möbel. Wir legten uns nachts in Schlafsäcke auf dem Flur. Um Wasser zu holen, mussten wir in den Keller gehen und minutenlang pumpen. Für einen Jungen wie mich ein Abenteuer. Nach drei Jahren eröffneten wir in unserem Schloss ein kleines Hotel, wo ich dann immer vor den Gästen auftrat. Jahre später schrieb ich den Song „The Ghost of old King Richard“. Darin stelle ich mir vor, wie der König durch unser Schloss wandelt auf der Suche nach der anderen Seite.

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Wann fanden Sie heraus, welche Rolle Ihr Vorfahr Hubert de Burgh in der britischen Geschichte spielte?

Oh, das wusste ich schon früh. Hubert de Burgh ist zum Beispiel eine der Hauptfiguren in Shakespears Drama „King John“. Fand ich super interessant.

Wie gehen Sie mit Ihrer Familiengeschichte um?

Es macht mich nicht anders, aber es ist einfach interessant. Es geht sogar noch weiter zurück. Die populäre britische TV-Sendung „Who do you think you are“ dreht sich um das Thema Vorfahren. Meine Tochter Rosanna, die ehemalige Miss World, wurde da mal eingeladen. Sie fuhren mit ihr nach Bayeux in der Normandie, wo es diese berühmten Wandteppiche aus dem 12. Jahrhundert gibt.

Auf einem werden drei Männer gezeigt: William I., der England erobert hat. Links neben ihm Richard Odo of Bayeux und rechts Robert, Count of Mortain. Alle drei haben dieselbe Mutter, Harlette Herleva de Burgh, geboren ca. 1003. Russel Crowe spielte in einem Film einen Schotten namens Robert de Bruce, der Elizabeth de Burgh heiratete. Deren Sohn war King David of Scotland. Und ein Baldwin de Burgh war der zweite König von Jerusalem. Unser Familienwappen ist ein goldener Schild mit einem roten Kreuz.

Am 16. Juli tritt Chris de Burgh im Rahmen des Honberg Sommers in Tuttlingen auf.