James, Sie leben mit Ihrer Frau Sofia Wellesley und Ihren zwei kleinen Söhnen überwiegend auf Ibiza. In Pandemie-Zeiten war es schon praktisch, eine Villa auf den Balearen zu besitzen, oder?

Ja, das kann man schon sagen. Ein Lockdown auf Ibiza ist zwar auch ein Lockdown, aber er ist absolut erträglich im Vergleich. Ich gebe zu: Am Anfang der Seuche dachte ich auch, wir hängen alle zusammen in der Sache drin und stehen es auch zusammen durch. So war es nicht. Wir gehörten zu den Glücklichen, wir hatten immer einen Garten und immer einen Pool. Auf der anderen Seite war es auch ganz gesund, wenn die Politik deine Arbeit als verzichtbar bewertet. Lastwagenfahrer und Ärztinnen waren und sind wichtiger als Popstars. Meine Arbeit ist für die Menschen nicht lebensnotwendig. Sie ist ein Bonus.

Haben Sie die Ruhe auch wertschätzen können?

Sehr sogar. Ich konnte zu Hause bleiben und Zeit mit meinen Kindern verbringen. Zum ersten Mal nach 17 Jahren habe ich entdeckt, dass ich Kinder habe (lacht). Ich habe meine Frau so oft in der Vergangenheit belogen, wenn ich sagte: „Schatz, nächstes Jahr nehme ich frei.“ Und jetzt habe ich es wirklich getan. Und sie liebt mich immer noch!

Gab es den Plan, Ihre größten Hits auf einem Album zu versammeln, schon lange?

Nein, gar nicht. Diese Überlegung war auch so ein Pandemie-Ding. Ich kramte durch meine alten Lieblingssongs, auch durch besondere Aufnahmen wie jene von meinem Auftritt beim Glastonbury-Festival, polierte ein paar alte, vergessene Demo-Versionen auf und band alles mit meinen sogenannten Hits zusammen auf diesem Album. Wenn Sie immer schon gewollt hätten, dass James Blunt nur ein einziges Album rausgebracht hätte, dann ist das hier ein Pflichtkauf.

Können Sie vorhersehen, welche Ihrer Songs Hits werden und welche nicht?

Ja und nein. Ich weiß, dass es mein Publikum mag, wenn ich ehrlich zu ihm bin. Sie mögen es nicht, wenn ich ihnen was vorspiele oder wenn ich gar versuche, andere Künstler zu kopieren. Die Debatte habe ich mit meiner Plattenfirma häufig, da hockt immer irgendjemand, der mir sagt: „Produzier‘ die Nummer doch mal wie so und so, dann läuft sie besser im Radio.“ Aber ich schreibe lieber Lieder wie „Monsters“.

In dem Song von Ihrem letzten Album 2019 geht es um das Verhältnis zu Ihrem kranken Vater.

Genau. „Monsters“ hat einen Nerv getroffen. Bei dem Song merken alle sofort: Das ist echt. Die Songs, die am nächsten dran sind an mir und meinen Gefühlen, das sind meine besten.

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Wie geht es Ihrem Vater aktuell, wenn man fragen darf?

Meinem Vater geht es soweit gut. Er hat eine zweite Spenderniere bekommen, ist am Leben und schlägt sich wacker.

Sie sind seit 17 Jahren gut im Geschäft. Überrascht Sie diese Beständigkeit?

Ich hatte viel Glück. „You‘re Beautiful“ war solch ein abartiger Erfolg, dass ich mit dem Song schnell eine ziemlich hohe Umlaufbahn erreichte. Und irgendwie habe ich mich oben halten können. Besonders Deutschland ist immer ein wunderbarer, warmer Ort für mich und meine Musik gewesen. Als Kind habe ich zwei Jahre am Möhnesee bei Dortmund verbracht und diese Zeit in der Natur und mit vielen famosen Menschen geliebt. Und heute ist Deutschland das Land, in dem ich mehr Konzerte spiele als irgendwo sonst.

Um welche Art Druck geht es in der aktuellen Single „Love Under Pressure“.

Ich habe die Nummer mit meinem Kollegen und guten Freund Jack Savoretti geschrieben. Wir unterhielten uns über den Druck, den ich seit dem Brexit habe, zwischen meinen Wohnsitzen auf Ibiza und in London zu pendeln, weil das neuerdings alles viel komplizierter ist, und Jack meinte: Interessantes Thema, aber keins, für das sich mehr als fünf Leute interessieren. Also haben wir es wie ein Liebeslied aufgezogen.

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Wie sehr nervt Sie der Brexit?

Er führt zu nichts Gutem. Er macht nur Schwierigkeiten und Scherereien. Aber wir alle, die wir zwischen dem Schengenraum und Großbritannien weiter frei reisen möchten, und wer möchte das nicht, müssen uns mit den Gegebenheiten arrangieren. Ich denke, es wird eine steinige Zeit, bis wir die Trümmer beseitigt haben, die uns die Politik vor die Füße geworfen hat, doch wir werden darüber hinwegkommen und unsere guten Freundschaften und Arbeitsbeziehungen auch weiterhin pflegen können. Ich werde jedenfalls weiter, so oft ich kann, nach Deutschland, nach Österreich, in die Schweiz sowieso, weil ich auch dort ein Haus habe, reisen.

Am 5. August ist James Blunt in Salem zu erleben. Tickets gibt es an allen SÜDKURIER-Vorverkaufsstellen.