Gerade um den Jahreswechsel sind nicht nur die Theater und Konzertsäle gut besucht, auch die Museen dürfen sich üblicherweise über einen Ansturm freuen. Endlich Muße, durch eine lang anstehende Ausstellung zu schlendern und die Bilder auf sich wirken zu lassen.

In Ruhe zu verweilen, die modrige Moorstudie zu betrachten, einen Vorläufer des großformatigen Landschaftstableaus nebenan. Oder den stillen Kanal in Venedig zu bewundern, in dem sich kühn dahingeworfen die Farben der Palazzi spiegeln. Fantastisch auch die lebhafte Bahnhofsszene aus Karlsruhe ... Die Bilder hat man nur noch in der Erinnerung von einem kurzen Presserundgang, zu gerne hätte man sie nochmals gründlich in Augenschein genommen. „Licht, Luft und Farbe“ ist eine beeindruckende Ausstellung, hier in der süddeutschen Provinz.

Zum Nichtstun verdammt

„Es ist so schade, dass das jetzt hängt und keiner kann es sehen“, sagt auch Monika Leister, freie Mitarbeiterin der Wessenberg-Galerie in Konstanz. Sie führt üblicherweise durch die Ausstellung und nicht nur durch diese. Acht verschiedene Arbeitgeber hat die Kunsthistorikerin am Bodensee, einer der wichtigsten ist das städtische Museum in Konstanz. Wie viele andere wurde auch sie nun zum Nichtstun verdammt, der zweite Lockdown Anfang November umfasste direkt auch die Museen.

Erst am 12. September wurde die Ausstellung „Licht, Luft und Farbe“ eröffnet, die sich der Malerei süddeutscher Impressionisten widmet. Teilweise zu Unrecht vergessene Maler wie die Stuttgarter Hermann Pleuer oder Otto Reiniger, die Monika Leister als echte Neuentdeckungen lobt.

Süddeutscher Impressionismus: Otto Reinigers „Feuerbach im Winter“ (um 1894).
Süddeutscher Impressionismus: Otto Reinigers „Feuerbach im Winter“ (um 1894). | Bild: Wessenberg Galerie

Neben bekannten Meistern wie Lovis Corinth oder Max Liebermann. Eine bedeutende und teure Ausstellung der relativ kleinen Galerie, ganze drei Jahre wurde intensiv darauf hingearbeitet. Seltene Leihgaben vor allem aus Privatbesitz, aber auch aus der Hamburger Kunsthalle oder der Münchner Neuen Pinakothek: In Klimakisten kamen sie angereist, sorgfältig bewacht und hoch versichert.

Längst angefertigte Pläne

Die Hängepläne stehen lang zuvor, wie die Kunsthistorikerin berichtet. Doch manches Mal muss nachgebessert werden, ist die Wirkung eines Originals anders als gedacht, der Rahmen ausladender, das Bild schwerer. Bei letzterem Problem rückt der technische Dienst an, baut beispielsweise Leisten, die von unten stützen. Saaltexte werden vergrößert und aufgezogen, Bildtexte gefertigt, Mitarbeiter geschult.

Monika Leister liest sich vor jeder neuen Ausstellung gründlich ein, sie studiert Textfahnen und Raumaufteilung, sammelt bei einem letzten Rundgang mit Kuratorin Barbara Stark Details und Anekdoten für die Besucher.

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Nach der Ausstellungseröffnung kamen bereits viele Anfragen von Schulen – Impressionismus zieht. Doch kaum war das Schuljahr so richtig gestartet, wurden die außerschulischen Veranstaltungen bereits wieder gestrichen. Gerade ein Workshop sei noch möglich gewesen, sagt Leister. Dazu einige Führungen: „Alle Besucher waren glücklich und dankbar, dass sie überhaupt kommen konnten“, so Leister. Auch wenn das nur in kleinen Gruppen und mit Anmeldung möglich war. „Die Leute waren regelrecht kulturhungrig“, berichtet sie vom großen Zuspruch nach dem ersten Lockdown. Doch nun ist wieder zu, komplett.

Alexander Koesters „Ruhige See“. Ähnlich still geht es derzeit auch in der Wessenberg-Galerie zu. Immerhin gibt es tägliche Sicherheitskontrollen.
Alexander Koesters „Ruhige See“. Ähnlich still geht es derzeit auch in der Wessenberg-Galerie zu. Immerhin gibt es tägliche Sicherheitskontrollen. | Bild: Wessenberg-Galerie

Da fragt man sich schon, was derweil in den Räumen passiert: Tanzen Mäuse und Wollmäuse? Erfreuen sich wenigstens die Reinigungskräfte an den Bildern? Fegen sie beschwingt vor den badenden Knaben? – Eher nein, so die Einschätzung von Monika Leister, die zuständigen Damen erlebe sie als eher pragmatisch und „wischorientiert“. Die Bilder dürften sie eh nicht anfassen. Das darf nur die Restauratorin.

Geputzt werde zur Zeit nicht, berichtet die Leiterin der Wessenberg-Galerie, Barbara Stark – von zu Hause aus. Es gebe ja auch keine Besucher, die an Straßenschuhen Schmutz hereintragen oder Staub aufwirbeln könnten.

Tägliche Kontrollen

Allerdings seien die Häuser ständig alarmgesichert und würden täglich sicherheitstechnisch und restauratorisch kontrolliert: „Ganz wichtig für die Exponate ist, dass die Luftbefeuchter regelmäßig gefüllt werden, sie sorgen für ein stabiles Raumklima“, so Stark.

Sie selbst ist regelmäßig in der Ausstellung. „Ich genieße das Privileg, all die schöne Kunst anschauen zu dürfen. Aber es tut mir auch weh, dass die Bilder nun von vielen nicht gesehen werden können. Und manchmal habe ich den Eindruck, dass auch den Bildern die Augen fehlen, die sie anschauen und genießen.“ Außerdem fehle ihr der Kontakt mit dem Publikum. Gerne hätte sie gerade in dieser Zeit mit zahlreichen Führungen die süddeutschen Impressionisten vorgestellt: „Licht, Luft und Farbe“ kam bei den Besuchern sehr gut an, betont Stark. Auch den Mitarbeitern im Aufsichtsdienst und den freien Gästeführern ginge es so. „Ihnen fehlt die Arbeit – und die Kunst.“

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Ein Trost bleibt allen: Die Ausstellung konnte bis 21. März verlängert werden. So besteht die Hoffnung, dass die Bilder nochmals zu sehen sein werden. Derweil kann man zumindest virtuell durch die Ausstellung gehen und sich von Barbara Stark und Monika Leister führen lassen.

„Licht, Luft und Farbe. Malerei süddeutscher Impressionisten. Städtische Wessenberg-Galerie im Kulturzentrum Am Münster, Konstanz. Geschlosen, aber verlängert bis 21. März 2021. Details & Video unter:
http://www.konstanz.de/wessenberg