Der Schweizer Schriftsteller Max Frisch (1911-1991, „Homo Faber“) notierte einst Fragen, die auch den klügsten Kopf in Verlegenheit bringen. Mit freundlicher Genehmigung des Suhrkamp-Verlags, in dem der Fragebogen erschienen ist, lassen wir regelmäßig prominente Persönlichkeiten auf einige der Fragen antworten – heute ist Barbara Auer an der Reihe, Schauspielerin mit Wurzeln in Konstanz.

Können Sie ohne Hoffnung denken?

Nein, in meinen Gedanken geistert immer irgendwie Hoffnung. Manchmal als süßes Versprechen und manchmal in Gestalt purer Verzweiflung.

Hoffen Sie auf ein Jenseits?

Ich glaube an ein Jenseits.

Kann Ideologie zu einer Heimat werden?

Vorübergehend wahrscheinlich. Ob sie am Ende des Tages ein warmes Nest bietet, bezweifle ich.

Können Sie sich überhaupt ohne Heimat denken?

Nein, meine Heimat hat mich zutiefst geprägt und gleichzeitig wollte ich immer weg. Daraus ist mein Lebensentwurf entstanden. Heute ist Heimat da, wo meine liebsten Menschen sind.

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Welche Probleme löst eine gute Ehe?

Ich bezweifle, dass die Ehe dazu angetan ist, Probleme zu lösen.

Halten Sie Geheimnislosigkeit für ein Gebot der Ehe oder finden Sie, dass gerade das Geheimnis, das zwei Menschen voreinander haben, sie verbindet?

Ich finde wichtig, dass jeder noch eine Schublade für sich hat, die er dem anderen nicht offenbaren muss. Und dass es immer wieder gegenseitig etwas zu entdecken gibt.

Was ertragen Sie nur mit Humor?

Die Überforderungen des Alltags. Und mich selbst manchmal.

Verändert sich im Alter der Humor?

Ich glaube, er wird von allem ein bisschen mehr: komischer, deftiger, bösartiger, gerissener. Vielleicht weil man nicht mehr so viel zu verlieren oder zu gewinnen hat.

Wie alt möchten Sie werden?

Wenn ich bedenke, wie schnell die letzten 20 Jahre vergangen sind, wage ich keine Zahl zu nennen.

Wen, der tot ist, möchten Sie wiedersehen?

Einige, denen ich gerne meine Dankbarkeit zeigen würde. Und jemanden, bei dem ich mich entschuldigen
möchte.

Gesetzt den Fall, Sie haben nie einen Menschen umgebracht, wir erklären Sie es sich, dass es dazu nie gekommen ist?

Vielleicht hatte ich einfach Glück …

Was fehlt Ihnen zum Glück?

Weniger Angst zu haben und dafür mehr Zuversicht.

Haben Sie Angst vor dem Tod und seit welchem Lebensjahr?

Nein, nur vor dem Sterben.

Was tun Sie dagegen?

Nichts. Atmen, lachen, weiterleben …

Barbara Auer

Die 60-jährige Schauspielerin – gebürtige Konstanzerin – liest am 8. und 9. November 2019 zusammen mit Christian Maintz in der Konstanzer Zimmerbühne kulinarische Gedichte. Am 4., 5. und 6. November ist sie im ZDF-Dreiteiler „Preis der Freiheit“ zu sehen.

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