Open Air gleich Wiese plus Schlamm (wenn's regnet) oder Staub (wenn's trocken ist), das war einmal. Großer Beliebtheit erfreuen sich schon seit langem Freiluftkonzerte, die als Ambiente das nutzen, was nun einmal in Mitteleuropa überreichlich vorhanden ist: historische Bauten, manchmal gut erhalten, manchmal nur in Bruchstücken. Die Schlossplätze in Salem und Meersburg und die Honberger Burgruine dienen inzwischen regelmäßig als Kulisse für Rock und Pop, und immer wieder gelingt es den Programmverantwortlichen der jeweiligen Festivals, ausgesprochen klangvolle Namen zu rekrutieren.

Etwa Sting: Er ist der Star des diesjährigen Salem Open Airs. Als Sänger und Bassist der New-Wave-Legende The Police fing er einst an, und seit über 30 Jahren widmet er sich einer beeindruckenden Solo-Karriere. Seine Vielseitigkeit unterstrich er mit diversen Kooperationen mit Jazz-, Hip-Hop- und Klassikmusikern, auch nahm er einmal ein ganzes Album mit Kompositionen des englischen Renaissance-Künstlers John Dowland auf. Gordon Matthew Thomas Sumner (so sein richtiger Name) gastiert am Montag, 23. 7., auf dem Salemer Schlossplatz.

Oder die Scorpions: Bis zum phänomenalen Siegeszug von Rammstein in den letzten Jahren waren sie die mit Abstand bekannteste deutsche Rockgruppe im Ausland, und auch in ihrem Heimatland ist ihre Popularität ungebrochen. Glücklicherweise haben sie sich von ihrem Kokettieren mit "Unplugged"-Auftritten wieder verabschiedet und ziehen erneut als elektrisch verstärkte Hardrock-Truppe durch die Lande, zur Freude wohl der Mehrheit ihrer Fans: Am Mittwoch, 25. 7. rocken, sie Salem, und es bleibt zu hoffen, dass die Bausubstanz des altehrwürdigen Schlosses dies auch problemlos aushält. Ebenfalls in Salem zu hören und zu sehen: die Hip-Hop-Combo Freundeskreis mit Max Herre (Freitag, 3. 8.) und die Sängerin Ina Müller (Donnerstag, 9. 8.).

In Meersburg geben sich dieses Jahr die Simple Minds die Ehre – alte Bekannte in der Region. Ältere Semester werden sich vielleicht noch an ihren Auftritt in Konstanz im Sommer 1989 erinnern: Sintflutartiger Regen ergoss sich damals über das Bodenseestadion, aber die Band hielt tapfer durch und lieferte einen kompletten Set ab. So etwas werfe sie nicht um, erklärte Sänger Jim Kerr dem SÜDKURIER Jahre später in einem Interview: "Wir sind Schotten, wir sind das gewohnt." Im Gepäck hat die Truppe ihr aktuelles Album "Walk between Worlds", das vor einigen Monaten erschien. Ebenfalls in Meersburg zu Gast in diesem Sommer: die Stockacher Elektropopper Glasperlenspiel und der deutsche Singer/Songwriter Johannes Oerding (beide am Donnerstag, 2. 8.).

Eine leibhaftige Woodstock-Legende tritt am Sonntag, 8. 7., auf der Burgruine Honberg über Tuttlingen auf: der ursprünglich britische Sänger und Gitarrist Graham Nash. In den 1960ern produzierte er mit The Hollies einen Monster-Hit nach dem anderen und veredelte die meisten davon mit seiner unverkennbaren Stimme, manchmal als Lead-Vokalist ("Carrie-Ann"), manchmal als Backgroundsänger. 1968 verließ er die Band, siedelte nach Amerika über und gründete die Folkrock-Truppe Crosby, Stills & Nash, die zeitweise auch durch Neil Young verstärkt wurde. Seit vielen Jahren ist er nun vorzugsweise solo unterwegs. Im Vorprogramm: Countryrock-Star Steve Earle – nicht auszuschließen, dass die beiden den einen oder anderen Song gemeinsam intonieren werden.

Hits wie "Davy's on the Road again" und "Blinded by the Light" machten Manfred Mann's Earth Band unsterblich, und unverdrossen tourt die Band rund 40 Jahre nach ihrer Glanzzeit immer noch durch die Länder und Kontinente. Am Mittwoch, 11. 7., macht sie auf dem Honberg Station, leider ohne Chris Thompson, der mehrmals – und das eben auch in der erwähnten Erfolgsperiode – Lead-Vokalist war. Mick Rogers, der diesen Posten nun schon seit vielen Jahren innehat, ist der vergleichsweise schwächere Sänger – aber gestandene MMEB-Fans werden darüber wohl hinwegsehen.

Die Schweiz und Hard Rock – kann das funktionieren? Und ob: Seit sage und schreibe 28 Jahren mischt die Tessiner Band Gotthard nun die Charts auf – und das beileibe nicht nur in der Eidgenossenschaft. Den tragischen Tod ihres Sängers Steve Lee, der 2010 bei einem Verkehrsunfall starb, hat die Gruppe mittlerweile verkraftet, mit ihrem neuen Frontmann Nic Maeder hat sie inzwischen drei Alben aufgenommen, die sich allesamt in den deutschen Top Ten platzieren konnten (und in der Schweiz allesamt Nr. 1 wurden). Zu erleben sind Gotthard auf dem Honberg am Samstag, 7. 7.

Ebenfalls beim diesjährigen Honberg Sommer zu sehen und zu hören: die Höhner und die schräge schwäbische Schlagertruppe Wirtschaftswunder (beide am Freitag, 6. 7.), der ehemalige Pro 7-Casting-Kandidat Gregor Meyle (Montag, 9. 7.), die Göttinger Crossover-Combo Guano Apes (Freitag, 13. 7.), der Alternative-Rocker Wirtz (Freitag, 20. 7.) sowie die Romantik-Rocker Versengold und Letzte Instanz (beide Samstag, 21. 7.). Einen gemeinsamen Singer/Songwriter-Abend mit Pippo Pollina, Werner Schmidbauer und Martin Kälberer gibt's am Montag, 16. 7., und ein Dreierpackage mit den Nachwuchsstars Nico Santos, Alina und der Band Lions Head am Samstag, 14. 7. Motto des Abends: The Next Generation 2018.

.Der SÜDKURIER Festival-Guide mit News, Bildern und Programmen von den Festivals unserer Region: www.sk.de/festivals