Es gibt nur wenige Drehbuchautoren in Hollywood, die man an ihrem Stil erkennt, egal welcher Regisseur ihre Werke verfilmt. Aaron Sorkin („Social Network“, „Steve Jobs“) gehört dazu. Seine Dialoge sind rasante Wortgefechte, die mit ihrer hohen Informationsdichte das Publikum an die Grenze seiner Aufnahmefähigkeit bringen.

Nun legt Sorkin mit „Molly’s Game“ seine erste eigene Regiearbeit vor, und wie in seinen früheren Drehbüchern ist die Geschichte sehr nahe an die Realität herangebaut. Von 2003 bis 2011 veranstaltete eine gewisse Molly Bloom in Los Angelas und New York Pokerrunden, in denen prominente Hollywood-Stars, Sportler, Banker und Ganoven mit extrem hohen Einsätzen Millionenbeträge verspielten, bis das FBI die Gastgeberin wegen vermeintlicher Kontakte zur russischen Mafia in Haft nahm.

Jessica Chastain spielt die Tochter aus gutem Hause, die es als Skifahrerin fast bis zur Olympiade geschafft hätte, wenn ein Sturz ihrer Sportlerkarriere nicht ein frühzeitiges Ende gesetzt hätte. Auf der Piste beginnt der Film und die Worte von Mollys Off-Kommentar fliegen uns in dem gleichen Tempo um die Ohren, wie die junge Frau den Abhang hinunter rast. Nachdem die Verletzungen verheilt sind, streicht sie das geplante Jura-Studium in den Wind und zieht nach Los Angeles. Dort wird sie bald als Assistentin von dem Möchtegern-Geschäftsmann Dean Keith (Jeremy Strong) angeheuert, der für ein paar betuchte Promis eine Pokerrunde organisiert. Molly arbeitet sich schnell in die Materie ein, übernimmt kurzerhand das Spiel und verlagert es vom Hinterzimmer einer Bar in ein Nobelhotel.

In einer rasanten Rückblendendramaturgie wird zwischen dem Aufstieg der Poker-Queen und einer Gegenwartserzählung hin und her geschwenkt, in der Molly sich mit ihrem Anwalt Charly Jeffey (Idris Elba) vor Gericht verantworten muss. Das FBI bietet ihr einen Deal an. Aber Molly hat ihre eigenen Prinzipien und weigert sich, die Poker-Klienten zu verraten.

Mit Jessica Chastain hat Sorkin die ideale Hauptdarstellerin gefunden, die nicht nur die Hochgeschwindigkeitsdialoge handhabt, sondern auch hinter der Fassade der kühlen Geschäftsfrau, die Intelligenz und Integrität ihrer Figur herausarbeitet. Nach ihren Einsätzen in „Zero Dark Thirty“ und „Die Erfindung der Wahrheit“ überzeugt Chastain auch hier wieder als kompetente Frau, die sich in einer männerdominierten Welt durchzusetzen versteht. Aber so gerne man ihr bei der Arbeit zuschaut, ist „Molly’s Game“ deutlich zu lang geraten. Auf manche Poker-Fachsimpelei hätte man gerne verzichtet.

Abspann

Land: USA

Regie: Aaron Sorkin

Darsteller: Jessica Chastain, Idris Elba, Kevin Costner

Altersgrenze: FSK 6

Länge: 140 Minuten