Schon in den 60er Jahren hatte das Wünschen so seine Tücken, jedenfalls in der US-Fernsehserie "Bezaubernde Jeannie". Wenn darin Flaschengeist Jeannie Wünsche erfüllte, führte das meist zu Komplikationen. Sie schloss dafür nur die Augen, die Konsequenzen mussten ihre Fans ausbaden. Im Friedrichshafener Kunstverein können Besucher jetzt nachhelfen. Wenn sie an einer Kordel ziehen, schließt Jeannie ihre Augen:

Video: Corinna Raupach

Heute verspricht das Internet die Befriedigung vieler Sehnsüchte: Freundschaften rund um die Welt, unbegrenzte Möglichkeiten bei Information, Konsum und Bequemlichkeit. Im Profil mit fotogeshopptem Selfie ist das Selbst endlich wie erträumt. Wer die Wunder im Internet wie vollbringt und wem sie nützen, erschließt sich den meisten so wenig wie Jeannies Magie. So installiert die Künstlerin Maria Anwander einen Grenzstein: Er zieht die Linie zwischen Nerds und denen, denen das Innenleben ihrer Computer ein Rätsel ist, zwischen Datensammlern und Dantenspendern.

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Überall sind Datensammler unterwegs. Staubsauger, Navigationssysteme oder Smartphones geben intimes Wissen preis. Gesichtserkennung in Kameras macht Anonymität unmöglich. Anwander versucht es mit Make-Up. Sie zeichnet Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden, geometrische Schminkmuster ins Gesicht, bis die Gesichtserkennung ihres zwei Jahre alten Handys versagt.

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Max Beckmann, Felix Fechenbach und Cato Bontjes van Beek machten ihre Opposition selbst öffentlich. Beckmann stellte aus, Fechenbach arbeitete als Politiker und Journalist, Bontjes van Beek half französischen Kriegsgefangenen. Sophie Scholl wurde wegen ihres Engagements bei der „Weißen Rose“ ermordet.

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Der anachische Schriftsteller Erich Mühsam war an der Ausrufung der Münchner Räterepublik beteiligt und trat für die Freilassung politischer Gefangener ein. 1934 starb er im KZ Oranienburg.

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Anwalt Hans Litten machte seinen Job, er verteidigte Arbeiter und Demonstrationsteilnehmer gegen SA und Polizei.

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Neuere Kameramodelle lassen sich vom Make up nicht austricksen. Für Maria Anwander gibt es kein Entkommen, wenn jeder immer alles über jeden wissen kann. Und so verbreitet der letzte Raum eine Art poetische Endzeitstimmung.

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Wie viel Freiheit ermöglicht ein Algorithmus? Wer programmiert die Codes für die nächste Spielerei? Anwanders Ausstellung warnt leise: sei vorsichtig mit Wünschen, sie könnten wahr werden.