Jim Jarmusch fühlt sich schuldig. Er fährt ein Auto mit fossilen Brennstoffen, er fliegt mit dem Flugzeug, er trinkt Wasser aus Plastikflaschen. Kurz: Er tut nichts fürs Klima und nichts für die Umwelt. Er ist ein Klimasünder, wie er in einem Interview gebeichtet hat. Der Filmregisseur ist so wie die meisten von uns: Er ist kein Aktivist. Und darunter leidet er. So wie auch wir darunter leiden, dass uns all die Gretas Freitag für Freitag daran erinnern, dass wir immer noch Auto fahren und Wasser aus Plastikflaschen trinken.

Aber zusammen mit Jim Jarmusch bewundern wir sie. All die jungen Leute, „die die Kraft und den Mut haben aufzustehen“. Sie bewegen sich und treten dafür in die Pedale anstatt aufs Gaspedal. Den Führerschein gibt es ohnehin frühestens mit 18 Jahren. Wir sind ihnen dankbar dafür, dass sie uns endlich sagen, was wir schon lange wussten: dass wir nichts tun für das Klima und gegen den Klimawandel. Aber jetzt tun wir was. Und Jim Jarmusch würde es gewiss auch tun: grün wählen. Robert Habeck For President!

Fracking hebt die Welt aus den Angeln

Jim Jarmusch hat gerade einen Film gedreht. Der kommt nächste Woche auch in die deutschen Kinos. Darin geht es darum, dass sich die Erdachse verschoben hat. Durch Fracking an den Polen wurde die Welt buchstäblich aus den Angeln gehoben. Fracking. Auch so eine Umweltsünde. Sie führt dazu, dass die Toten wiederauferstehen. Nicht im christlichen Sinne. Im Kino bedeutet Wiederaufstehung meist nichts Gutes. „The Dead Don‘t Die“ ist ein Zombiefilm. Bei Jarmusch wanken die Zombies mit Smartphones durch die Straßen.

Jarmusch hasst Zombies. Auch wenn er jetzt einen Film über sie gedreht hat. Er hasst sie, weil er ihnen auch im echten Leben ständig begegnet: „Ich habe es satt, in New York herumzulaufen – und dann komme ich nicht an den Telefonzombies vorbei. Die wissen ja nicht einmal, dass andere Leute da sind.“ Die Telefonzombies treiben natürlich nicht nur in New York ihr Unwesen. Sie sind so allgegenwärtig wie der Klimawandel. Und für Smartphones braucht es nicht einmal einen Führerschein.

Die neuen Stromfresser

Auch nicht zum Streamen von Filmen oder Netflix-Serien. Dabei sind Video-Streaming und Online-Spiele die neuen Stromfresser. Nicht nur wegen des Stroms, den der heimische PC oder das Handy dabei verschlingen. Das Problem sind die Server in den Rechenzentren. Sie müssen gekühlt werden.

Das Fraunhofer-Institut in Karlsruhe hat es vorgerechnet: Der Energiebedarf von Rechenzentren in Deutschland entspricht, in CO2-Äquivalente umgerechnet, ungefähr den CO2-Emissionen, die wir im Flugverkehr in Deutschland haben. Tendenz: steigend. Wie viele Folgen von „The Walking Dead“ darf ich also streamen, wenn ich auf einen Flug verzichte? Schwer zu sagen.

Altmodisch oder Avantgarde?

Jim Jarmusch ist da fein raus. Er hat die Serie „The Walking Dead“ noch nie gesehen, weil er keine Zombie-Filme mag. Aber nicht nur das. Er schreibt auch keine E-Mails und benutzt auch sonst keinen Computer. Er schreibt noch alles von Hand. Sogar seine Drehbücher. Vermutlich kommt sich Jarmusch damit ziemlich altmodisch vor. Aber eigentlich ist er Avantgarde. Er macht vor, wie man den Energiebedarf der Rechenzentren senken kann. Jarmusch schützt das Klima mehr, als er denkt – und vielleicht sogar mehr als mancher Smartphone-Zombie, der freitags demonstrieren geht.