Sogar die Filterkaffeemaschine, die auf der Bar steht, sieht aus wie ein Relikt aus den 1960er-Jahren. Das Herstellungsjahr kennt zwar keiner mehr so genau, „aber sie funktioniert noch tadellos“, betont Friedhelm Schulz, als er uns durch das MPS-Studio in Villingen führt.

MPS? Die drei Buchstaben stehen für „Musik-Produktion Schwarzwald“: für ein Tonstudio und ein damit verbundenes Schallplatten-Label, das ab 1968 Jazz-Geschichte geschrieben hat.

Kühlschränke als Verlustgeschäft

Gegründet wurde das Studio vom SABA-Erben Hans-Georg Brunner-Schwer. Daher steht auch noch ein SABA-Kühlschrank hinter der Bar. Jawohl, ein SABA-Kühlschrank! Der einstige Rundfunkgeräte-Hersteller – die vier Buchstaben stehen für Schwarzwälder Apparate-Bau-Anstalt – hatte in den 50er-Jahren auch mal auf Kühlschränke gesetzt. Es wurde ein Verlustgeschäft.

Friedhelm Schulz präsentiert eine neue Schallplatte mit Material aus den MPS-<br />Beständen. <em>Bild: Jochen Hahne</em>
Friedhelm Schulz präsentiert eine neue Schallplatte mit Material aus den MPS-Beständen. | Bild: Hahne, Jochen

Dafür wurde das Studio zur Legende. Die Zeit scheint hier still zu stehen. In dem engen Flur stehen noch zwei mächtige alte Tonbandmaschinen – allerdings zur Deko. Betritt man erst die Studioräume selbst, fühlt man sich endgültig in die 60er-Jahre zurückversetzt. Das ganze Interieur scheint unverändert. Man sieht förmlich Musikgrößen wie Oscar Peterson und Duke Ellington vor sich und erwartet, dass sie sich gleich an den großen Bösendorfer-Flügel setzen und anfangen zu spielen.

Vinyl erlebt Renaissance

Im gegenüberliegenden Raum hinter der Glasscheibe aber thront ein mächtiges 24-kanaliges Regiepult – das Herzstück des Studios und der Stolz von Friedhelm Schulz, dem Vorsitzenden des Förderverein MPS-Studio Villingen.

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2010 wurde das MPS-Studio zum Kulturdenkmal erklärt und muss daher erhalten werden. Der Förderverein kümmert sich darum. Nicht nur die alte Technik soll funktionsfähig bleiben, auch das umfangreiche Archivmaterial muss gesichtet und zugänglich gemacht werden. Schließlich sind zwischen 1968 und den frühen 80er-Jahren, als sich Brunner-Schwer aus der Musikproduktion zurückzog, rund 1000 Aufnahmen bei SABA und MPS entstanden.

Allerdings geht es bei all den Erhaltungsbemühungen nicht bloß um eine Musealisierung. Das Vinyl und damit die analoge Aufnahmetechnik erleben seit einigen Jahren eine Renaissance, die man nicht mehr nur noch als vorübergehende Retro-Mode abtun kann. „Die CD ist ein Auslaufmodell“, erklärt Friedhelm Schulz. Und das kann vermutlich jeder aus eigener Erfahrung bestätigen. Denn stattdessen wird gestreamt – in der Regel in minderer MP3-Qualität. Wer nach einem hochwertigen Klangbild sucht, landet daher schnell wieder beim Vinyl – und damit bei der analogen Aufnahmetechnik.

Anfragen aus den USA

Auf diesen Trend setzt das MPS-Studio. Zwar sind bereits seit 2010 wieder analoge Tonaufnahmen im Studio gemacht worden, aber bis die Funktionsfähigkeit der Aufnahmegeräte wieder komplett hergestellt ist, braucht es noch etwas Zeit. Wie viel Arbeit und Know-How für die Restaurierung der Geräte nötig sind, ahnt man, wenn Friedhelm Schulz eine Klappe an der Seite des Regiepults abnimmt. Man blickt in ein dichtes Gewirr aus kleinen bunten Kabeln. Jedes davon hat seine Funktion in diesem komplexen System. Da behalten nur absolute Fachleute den Überblick.

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Anfang nächsten Jahres soll es so weit sein, hofft Schulz. Dann könnten im MPS-Studio wieder richtig erstklassige Analog-Aufnahmen gemacht werden. Auch eine Ampex-24-Spur-Bandmaschine gehört noch zum Inventar. „Diese wieder in Betrieb zu setzen, lohnt allerdings nur, wenn wir einen Auftrag haben.“ Schließlich kostet schon ein einzelnes Tonband, das 24 Tonspuren aufnehmen kann, um die 250 Euro.

Wer wert auf eine Spitzen-Aufnahmequalität legt, muss also tief in die Tasche greifen. „Dennoch“, so Schulz, „haben wir jetzt schon Anfragen aus den USA, aus England und Deutschland.“ Doch jetzt wird erst mal gefeiert – natürlich mit viel Musik und alten MPS-Künstlern.