„One World. One Child“ (eine Welt, ein Kind) – so wird auf großformatigen Werbetafeln für die staatlich verordnete Ein-Kind-Politik geworben. Wir befinden uns jedoch nicht in China, sondern in einem weitaus rigideren Regime einer nicht allzu fernen Zukunft. Durch die Überbevölkerung sind Hungersnöte ausgebrochen. Die gentechnisch manipulierten Nahrungsmittel, mit denen man die Lage in den Griff bekommen wollte, führten zum Anstieg von Mehrlings-Geburten und damit zu weiterer Überbevölkerung. Seitdem gilt: Ein Kind pro Familie – und dieses Gesetz wird mit aller Härte durchgesetzt. Geschwisterkinder werden aufgespürt und in einen medizinischen Winterschlaf versetzt, bis – so heißt es – die Welt eine andere Lösung gefunden hat.

Nachdem seine Tochter bei der Geburt von Siebenlingen gestorben ist, versteckt Terrence Settman (Willem Dafoe) seine Enkeltöchter und zieht sie allein auf. Nach den Wochentagen benannt dürfen die eineiigen Geschwister jeweils nur an einem Tag in der Woche das Haus verlassen, zur Schule und später zur Arbeit gehen. Draußen nehmen sie die künstliche Identität der Karen Settman an, während sie zu Hause ihre verschiedenen Charakterzüge ausleben. Die schwedische Schauspielerin Noomi Rapace verkörpert alle sieben Schwestern und nimmt die Herausforderung ihres Talents dankbar an. Souverän skizziert sie die unterschiedlichen Charaktere – und schon die Frühstücks-Szene zu Beginn macht Lust auf eine interaktive Dynamik, die Rapace im Alleingang ausfechten muss.

Eine interessante dystopische Fantasie, die gegenwärtige Entwicklungen radikalisierend weiterdenkt, und eine Schauspielerin, die sich mit Elan in ihre Rollen stürzt – was Tommy Wirkola in „What Happened To Monday“ anfangs aufbaut, ist durchaus vielversprechend. Aber leider weiß der Regisseur mit seinen interessanten Grund-Ideen nichts anzufangen. Schon bald wird klar, dass nach dem Verschwinden von Monday eine Schwester nach der anderen aus ihrem Versteck herausgelockt und einen gewaltsamen Tod erleiden wird.

Statt sich den Herausforderungen einer tieferen Charakterisierung der Schwestern zu stellen, ertränkt Wirkola in dieser Netflix-Produktion das Potenzial der Geschichte in ziellosem und wenig imposant inszeniertem Action-Gezappel. Rapace weiß auch in Kampf- und Sterbe-Szenen zu beeindrucken, aber ihr Talent reicht nicht aus, um die Konzeptionslosigkeit dieses unausgereiften B-Movies zu kaschieren.

 

Abspann

Regie: Tommy Wirkola

Darsteller: Noomi Rapace, Glenn Close, Willem Dafoe

Länge: 124 Minuten

FSK: freigegeben ab 16 Jahren

Verleih: Splendid Film

Fazit: Eine anfangs vielversprechende Dystopie, doch die guten Ideen bleiben unausgereift.

Der Trailer zum Film: