Mein Onkel hatte eine Buchbinderei, die ein wenig außerhalb der Stadt lag. Daher fuhr er morgens mit seinem Auto zum Bahnhof und sammelte dort seine Angestellten ein. Uns Kinder nahm er in einem Aufwasch mit in die Stadt, damit wir von dort in die Schule gingen. Heute würde man sagen: ein vorbildliches Mitfahrmodell, das Benzin spart und den CO2-Ausstoß verringert. Damals in den 70er-Jahren ging es aber nicht um den CO2-Ausstoß, sondern darum, dass nicht jeder ein Auto besaß, mit dem er hätte zur Arbeit fahren können. Deswegen war der Parkplatz vor der Buchbinderei noch klein. Da standen nur drei oder vier Autos, Modell VW Polo oder Audi 50.

Die Autos waren damals kleiner als heute und die Umweltprobleme waren es auch. Aber die Autofahrer reagierten schon genauso genervt, wenn sie Gängeleien witterten, die ihnen das Leben hinter dem Steuer vermiesen könnten. Auf einem der Autos, die vor der Buchbinderei parkten, pappte ein Aufkleber mit dem Spruch „Wer schützt uns vor den Umweltschützern?“. Niemand tat es. Im Gegenteil: Die Umweltschützer taten sich zur Partei zusammen und zogen eines Tages in den Bundestag.

Tun Sie genug für den Co2-Austoß?

Daher gibt es heute SUVs. Die Autos mussten größer werden, weil sonst niemand den Schutz vor Umwelt- und Klimaschutz übernahm. Und es gibt noch jede Menge zu tun für die Klimaschutzgegner. Jeder und jede ist da gefragt – und sollte zuallererst mal in sich gehen: Tue ich genug für den CO2-Ausstoß und leiste ich einen relevanten Beitrag zum Mikroplastik-Gehalt in den Meeren?

Es reicht nicht, den Umweltschützern vorzuwerfen, ihr Handeln sei hier und da inkonsequent und eine Besteuerung von Fleisch löse das Klimaproblem nicht. Auch Vorschläge wie Tempobeschränkung und Plastiktütenverbot, so halbherzig sie sein mögen, durch ständige Nörgelei so lange zu zerreden, bis alle genervt davon ablassen, ist zwar ein schöner, aber auch reichlich durchsichtiger Ansatz, um weitermachen zu können wie bisher. Wer sich gegen die Klimaschützer wehren will, muss konsequenter sein als diese selbst.

Unterstützen Sie die Massentierhaltung!

Seien Sie eine echte Umweltsau und kein halbherziges Umweltferkelchen! SUV fahren reicht nicht, wenn Sie Ihren Müll sortieren und alle zwei Wochen den gelben Sack brav zur Abholung vor die Haustür stellen. Sollten Sie dann noch aus Geschmacksgründen Biofleisch oder Eier aus Freilandhaltung kaufen, sind sie selbst schon auf dem Weg zum Öko-Diktator.

Unterstützen Sie die Massentierhaltung und halten Sie dadurch den CO2-Ausstoß hoch. Der Kampf gegen die Klimaschützer sollte ihnen das Opfer wert sein. Essen Sie so viel Fleisch wie möglich oder werfen Sie es einfach weg. Es ist billig genug. Kaufen Sie möglichst nur in viel und dickem Plastik eingeschweißte Produkte. Bringen Sie so häufig wie möglich den Untergang der deutschen Wirtschaft ins Spiel, wenn es darum geht, weniger Pestizide in der Landwirtschaft einzusetzen. Predigen Sie die Heilkraft des freien Verbraucherwillens, auch wenn Sie selbst nicht mehr daran glauben. Und lassen Sie sich das Fliegen keinesfalls von linken Weltverbesserern vermiesen.

Mein Onkel ist unterdessen gestorben. Aber der Parklatz vor der Buchbinderei ist auf die dreifache Größe gewachsen. Es stehen mehr und größere Autos darauf. Der Kampf gegen die Umweltschützer ist noch nicht verloren.

http://elisabeth.schwind@suedkurier.de