Museumsbesuche stehen ganz oben auf dem Programm jedes Berlin-Touristen. Deshalb hat es die Hauptstadt besonders leicht, Platz eins einzunehmen in der bundesweiten Besucherstatistik der Museen. Umgerechnet auf jeden einzelnen Einwohner verbucht Berlin 4,6 Museumseintritte im Jahr. Zum Vergleich: In Baden-Württemberg sind es nur 1,4. Das heißt aber nicht, dass die Berliner Bevölkerung besonders kunstsinnig wäre. Denn drei Viertel aller Museumsbesucher sind Touristen.

Doch wohin sollte man gehen, um in Berlin Kunst zu erleben? Oft sind es nicht nur hochkarätige Ausstellungen, die die Besucher anlocken, sondern auch die Architektur eines Museumsgebäudes. Im benachbarten Potsdam zum Beispiel, wo im vergangenen Jahr das prächtige Museum Barberini fertiggestellt wurde, nutzten innerhalb weniger Tage mehr als 25.000 Besucher die Gelegenheit, vor der offiziellen Eröffnung die leeren Räume zu besichtigen. Das Museum selbst wurde zum Erlebnisort.

Sanierung kostet 110 Millionen Euro

Am Wochenende feiert die Neue Nationalgalerie in Berlin ihr 50-jähriges Bestehen. 1968, ein Jahr vor dem Tod des Architekten Ludwig Mies van der Rohe, wurde das Museum fertiggestellt. Mit ihren lichtdurchfluteten, weitgehend ohne Zwischenwände auskommenden Räumen trägt die Nationalgalerie auch 50 Jahre nach der Eröffnung ihren Beinamen „Neu“ zu Recht, auch wenn der Zahn der Zeit an den technischen Bauteilen genagt hat und seit mehr als drei Jahren eine 110 Millionen Euro teure Sanierung durch das Architekturbüro David Chipperfield notwendig geworden ist. So müssen die 3,40 Meter breiten Glasscheiben aus China herangeschafft werden, weil nur dort Glasflächen dieser Größe überhaupt noch gefertigt werden können.

Die Neue Nationalgalerie am Potsdamer Platz in Berlin, entworfen von Mies von der Rohe, gilt als Ikone der Moderne. Das Gebäude – das Bild zeigt es im Jahr 2015 – ist in die Jahre gekommen.
Die Neue Nationalgalerie am Potsdamer Platz in Berlin, entworfen von Mies von der Rohe, gilt als Ikone der Moderne. Das Gebäude – das Bild zeigt es im Jahr 2015 – ist in die Jahre gekommen. | Bild: Lukas Schulze / dpa

Dessen ungeachtet übt das schlichte Gebäude aus Stahl und Glas bis heute einen ungeahnten Reiz aus. Sämtliche Baustellen-Führungen am 15. September, die über den Stand der Sanierung informieren, sind ausgebucht. Wem es nicht gelingt, mit festem Schuhwerk über die riesige Baustelle zu stapfen, dem hilft der Bauzaun weiter, der als Galerie gestaltet ist und über die 50-jährige Ausstellungsgeschichte mit Originalplakaten Auskunft gibt.

Da werden Erinnerungen wach an die glanzvolle Eröffnung mit einer Piet-Mondrian-Ausstellung. Schon bald war die Neue Nationalgalerie der Ort in Deutschland, an dem das Publikum mit den neuen Klassikern der Moderne erstmals direkt in Kontakt treten konnte. Unvergessen die Schau mit Werken aus dem New Yorker Museum Of Modern Art (MoMa), bei der sich 2004 die Besucherschlange einmal komplett um das gesamte Gebäude herumwand.

Museum funktioniert auch als Konzertsaal

Selbst als Konzertsaal fungiert die trägerlose 2500 Quadratmeter große Glashalle. Die Elektropop-Gruppe Kraftwerk gab hier an acht aufeinanderfolgenden Tagen acht Konzerte, bevor das Gebäude Ende 2014 für seine Sanierung die Tore schließen musste. 2020 aber, bei der geplanten Wiedereröffnung, wird die Neue Nationalgalerie zusammen mit den beiden Gebäuden der Philharmonie, der Staatsbibliothek, dem Instrumentenmuseum und dem Kunstgewerbemuseum wieder zum Herzstück des Kulturforums im Tiergarten werden.

Am 15. September erscheint ein Katalog, der die 50-jährige Geschichte dieses Hauses auch als ein halbes Jahrhundert Kunstgeschichte darstellt und über die Zeit bis zur Wiedereröffnung hinweghelfen soll. Museums-Touristen werden bis dahin in der Hauptstadt dennoch nicht zu kurz kommen: Es gibt in Berlin noch 174 weitere Museen.