Eigentlich müsste diese Ausstellung, die sich mit der Vielgesichtigkeit von Wasser befasst, oben auf einem Berg angesiedelt sein oder in einer Kapelle. Mit nichts drum herum als tiefer, großer Stille. Das träfe Kern und künstlerische Haltung der Ausstellung „100 Spectres“ von Sarah Bildstein ziemlich gut. Es sind nämlich leise Werke, auf die der Betrachter trifft. Und dabei sind sie von einer atemberaubenden Schönheit, die so nicht alle Tage zu sehen ist.

Die wünschenswerte Betrachtungsstille muss sich der Ausstellungsbesucher allerdings selbst machen. Vielleicht gelingt es ihm durch Vorstellungskraft. Denn während er unten im Gewölbekeller im Kulturzentrum Konstanz die zarten Farbschichtungen und hauchdünnen Verläufe der Wasser-Werke von Sarah Bildstein aufmerksam betrachtet, steppt scheinbar um ihn herum der Bär: Fußgetrappel und Geplapper dringen von draußen zu ihm.

Weite Wege zum Wasser

Würde tatsächlich nur ein Wanderweg zur Ausstellung führen, könnte das die Wertschätzung für das Grundnahrungsmittel Wasser erneuern, die uns Westeuropäern abhandengekommen ist. In anderen Weltgegenden, in denen Wasser ein knappes Gut ist, sind kilometerlange Wege zum nächsten Wasser alltägliche Notwendigkeit.

Auch Sarah Bildstein nahm für ihr Wasser-Projekt „100 Spectres“ weite Wege auf sich. Allerdings auf andere Art: für ihre Wasserproben aus aller Welt konnte sie auf tatkräftige Unterstützung durch zahlreiche Helfer jeweils vor Ort zählen. In den planmäßig ausgewählten Weltregionen entnahmen die Helfer stets zwei Proben: eine vom Leitungswasser und eine aus einem natürlichen Gewässertyp. Schwerpunktgebiete waren dabei solche mit Wasserknappheit, Industrieregionen mit einem hohen CO2-Ausstoß sowie Inseln, die durch steigenden Meeresspiegel zu versinken drohen.

Nitrat, Sulfat, Phosphat und Kupfer

Das Labor des limnologischen Instituts der Universität Konstanz untersuchte diese Proben nach den Parametern pH-Wert, Härtegrad, Salzgehalt sowie Anteilen an Nitrat, Sulfat, Phosphat und Kupfer. Für eine primäre Verbildlichung der ermittelten Analysewerte bedient sich Sarah Bildstein wissenschaftlich-methodisch der Chromatografie; deren spektraler Charakter führte zum Ausstellungstitel. Zugleich erweitert sie das Konzept künstlerisch und legt dafür neun Farben aus wasserlöslicher Tinte fest. Ihre eigens entwickelte Farbskala verstärkt die Resultate. So erscheinen Nitrat gelb, Salz blau, Sulfat schwarz, Phosphat grün und Kupfer rot. Im Trocknungsprozess auf Büttenpapier bleiben die verteilten Wasserproben weitgehend sich selbst überlassen – sichtbare Formen sind zufälliger Natur.

Co-kuratiert wurde die Ausstellung von Studierenden der Universität Konstanz im Rahmen des gleichnamigen Seminars „100 Spectres“, geleitet von der Kunsthistorikerin Tanja Klemm.

Bis 16. Februar im Gewölbekeller des Konstanzer Kulturzentrums, Di–Fr 10–18 Uhr, Sa und So 10–17 Uhr. Rahmenprogramm am 18. Januar sowie am 1., 6. und 16. Februar. Weitere Informationen: http://www.konstanz.de