Künstler sind arme Helden. Wenn sie nicht gerade Gerhard Richter oder Damien Hurst heißen, können Sie von ihrer Kunst kaum leben. Sie pinseln wochenlang an einem Bild und müssen froh sein, wenn sie dafür ein paar hundert Euro bekommen. Der Stundenlohn liegt dann nicht selten unter dem einer Putzkraft. Wie soll man davon leben? Geht eigentlich nicht. Kunst, Ausstellungen, Galerien – sie ernähren den Künstler nicht. Es sei denn, er findet dort doch noch etwas zu essen.

Kürzlich war es so weit: Auf der Kunstmesse Art Basel in Miami überkam es den Künstler David Datuna und er verzehrte vor den Augen der Messebesucher eine Banane. Und weil er nunmal ein Künstler ist, definierte er die Aktion als Performance, nannte sie „Hungry Artist“ und stellte sie ins Netz.

120 000 Dollar teure Zwischenmahlzeit

Und wo hatte der hungrige Künstler nun die Banane her? Die Antwort: Von seinem Künstlerkollegen Maurizio Cattelan. Der ist als Erfinder einer goldenen Toilette mit dem Namen „America„ möglicherweise reicher als es David Datuna je sein wird und kann sich allerlei leisten. Die Banane überließ Cattelan dem Kollegen Datuna allerdings nicht als milde Gabe. Vielmehr hatte er sie in einer Installation namens „Comedian“ verbaut, und die war auf der Messe bereits für 120 000 Dollar an einen französischen Sammler verkauft worden. Dort pflückte sich Datuna die Banane von der Wand und aß sie auf. Eine teure Zwischenmahlzeit. Und das erste Mal, dass ein Künstler das Kunstwerk eines anderen Künstlers gegessen hat, wie Datuna selbst anmerkte.

Irritation des Kunstbetriebs

Vielleicht war es auch das erste Mal, dass ein Kunstwerk weniger auf die Irritation des Publikums als auf die Irritation des Kunstbetriebs selbst zielte. In der Regel sind es ja die Betrachter, die ratlos vor einem Werk stehen. Statt dessen musste jetzt Cattelans Galerie reagieren. Und die zeigte wenig Humor: Sie hätten nichts für Spektakel übrig, teilte der Sprecher mit. Im übrigen aber habe Datuna das Kunstwerk keinesfalls zerstört. Die Banane war in dem Fall nämlich nur Teil einer Idee. Und der französische Sammler hatte 120 000 Dollar für die Rechte an dieser Idee hingeblättert. Die Banane hingegen bleibt ein ganz banales, austauschbares Stück Obst, das laut Datuna auch ganz normal schmeckte.

Regelmäßig austauschen wird sie künftig auch der Sammler. Schließlich halten sich Bananen nicht sehr lange und es ist fraglich, ob eine überreife Banane Cattelans Idee noch eins zu eins repräsentieren könnte. Vielleicht fällt auf diese Art und Weise von seiner Kunst ja noch etwas für andere hungrige Künstler ab.

http://elisabeth.schwind@suedkurier.de

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