In unsicheren Zeiten besinnt man sich aufs Altbewährte. Dazu gehört zweifellos der Theaterbesuch mit der ganzen Familie in der Vorweihnachtszeit. Erst noch einen Bummel über den Weihnachtsmarkt, dann ins große Haus mit den roten Vorhängen gehen: Für Kinder ist das doch noch immer weitaus romantischer als ein Abend mit Netflix und Bildschirm!

Doch die Besinnung auf Altbewährtes betrifft nicht den Theaterbesuch allein. Auch die Stückauswahl mutet in diesem Jahr auffällig klassisch an. Die Autoren heißen Astrid Lindgren, Otfried Preußler oder Michael Ende – nicht gerade die junge Generation der Kinder- und Jugendliteratur. Sogar Hans-Christian Andersen und die Gebrüder Grimm sind am Start. Was haben all diese Klassiker den Kindern heute noch zu sagen?

  • Konstanz: Astrid Lindgrens „Die Brüder Löwenherz“. Dieser Roman macht ihnen zumindest Hoffnung auf eine bessere Welt. Wenn auch im Diesseits keine in Sicht ist, so wartet sie vielleicht nach unserem Tod im Jenseits auf uns. Der Clou an dieser ermutigenden Vision: So wichtige Tugenden wie Mut und Verantwortung werden wir allerdings auch dann weiterhin benötigen. Denn das Böse ist in der Lage, sogar in die Wirklichkeit nach dem Tod noch vorzudringen. Wie das geschieht, erfahren die Kinder am Theater Konstanz. Dort setzt Regisseurin Sara Ostertag „Die Brüder Löwenherz“ in Szene.

Plakatmotiv Brüder Löwenherz, Theater Konstanz
Plakatmotiv Brüder Löwenherz, Theater Konstanz | Bild: Theater Konstanz
  • St. Gallen: Der Räuber Hotzenplotz. Sehr diesseitig ist das Böse derweil in St. Gallen. Der Räuber Hotzenplotz nämlich hat aus seinen schlimmen Taten nichts gelernt. Nachdem er zuerst Großmutters Kaffeemühle entführt hat, ist nun die alte Dame selbst an der Reihe. In seiner Räuberhöhle muss sie für ihn den Haushalt führen – und hoffen, dass Kasper und Seppel irgendwie das Lösegeld auftreiben. „Neues vom Räuber Hotzenplotz“ hat am 17. November Premiere und wird von Marcus Coenen inszeniert.

Der Räuber Hotzenplotz. Das Familienstück von Otfried Preussler hat Premiere am 18. November 2017 am Theater St.Gallen.
Der Räuber Hotzenplotz. Das Familienstück von Otfried Preussler hat Premiere am 18. November 2017 am Theater St.Gallen. | Bild: Tanja Dorendorf / T+T Fotografie
  • Zürich: Michael Ende: Der Wunschpunsch. Am Zürcher Schauspielhaus dürften nicht nur die kleinen Theaterbesucher am Wortungetüm scheitern, welches das diesjährige Weihnachtsmärchen bezeichnet. Auch der Platz auf dem Programmzettel könnte knapp werden. „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ heißt das Stück nämlich. Es basiert auf dem gleichnamigen Kinderbuch von Michael Ende und übt damit politische Aufklärung: Geht es doch um kein geringeres Problem als die Zerstörung unserer Umwelt.

Michael Endes „Satanarchäolügenialkohöllischer Wunschpunsch“ kommt im Zürcher Schauspielhaus auf die Bühne.
Michael Endes „Satanarchäolügenialkohöllischer Wunschpunsch“ kommt im Zürcher Schauspielhaus auf die Bühne. | Bild: Raphael Hadad Photography
  • Freiburg: Die kleine Meerjungfrau. Die Umwelt geht selbstverständlich auch die kleine Meerjungfrau etwas an, die am Theater Freiburg durch ihre Unterwassergärten tollt. Vorerst aber ist sie in Gedanken bei einem anderen Thema: Ein Prinz ist nämlich ins Meer gefallen, das Fabelwesen ist deshalb jetzt als Lebensretter gefragt. Es versteht sich von selbst, dass dieser Einsatz für das Gefühlsleben der beiden nicht ganz folgenlos bleibt.
  • Stuttgart: Der gestiefelte Kater. Die Gebrüder Grimm schließlich liefern den Stoff für das Weihnachtsmärchen am Stuttgarter Schauspielhaus. „Der gestiefelte Kater“ verhilft seinem mittellosen Besitzer mit Witz und Verstand zu unverhofftem Reichtum: Nicht nur die Kinder im Publikum werden genau verfolgen, welchen Trick man sich von ihm abschauen kann. Die Regie hat Susanne Lietzow, Premiere ist Anfang Dezember.

Der gestiefelte Kater erobert in Stuttgart die Bühne. bild: JuliSonne – Stock-Adobe.com
Der gestiefelte Kater erobert in Stuttgart die Bühne. bild: JuliSonne – Stock-Adobe.com | Bild: JulySun