„Ein Herr Möller hat ein Buch geschrieben, das Sie unbedingt lesen müssen!“ Mit diesen Worten landete „Zwischen Bullerbü und Tierfabrik“ auf meinem Tisch. Der Titel mit kopfstehender Kuh klang verdächtig nach Fundamentalkritik an der Landwirtschaft, auf die ich angesichts der Gereiztheit aktueller Debatten um Klima- und Artenschutz nicht wirklich Lust hatte.

Die zentrale Frage, warum wir einen anderen Blick auf die Landwirtschaft brauchen und das darin suggerierte Versprechen einer Antwort, provozierte meine Neugier letztlich doch, das Buch nicht ungelesen zur Stabilisierung der heimischen Bücherwand zu nutzen.

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Welch Überraschung! Dem Autor gelingt es auf nur 235 Seiten, ein Werk zu schaffen, das jeder vor dem nächsten Schnitzel oder veganem Leckerbissen konsumiert haben sollte. Beginnend mit dem Bullerbü seiner Kindheitstage an einem Mecklenburger See beschreibt Andreas Möller präzise, was zwischen Stadt und Land in Bewegung geraten ist und uns in das „Paradies des billigen Fleisches“ geführt hat. Auch, warum die Gondeln dafür Trauer tragen.

Benjamin Fiebig ist Hauptgeschäftsführer des Badischen Bauernverbands.
Benjamin Fiebig ist Hauptgeschäftsführer des Badischen Bauernverbands. | Bild: privat

98 Prozent der Bevölkerung haben Vorstellungen von der Landwirtschaft, aber keine Anschauungen. Warum das so ist, hat zum Beispiel mit dem Verschwinden von Metzgermeister Götz aus Ehingen zu tun. Möller präpariert die Bedingungen der Landwirtschaft heraus und entlarvt dabei die „Wende-Rhetorik“, die uns den Appetit am täglich Brot verderben will.

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Das Buch ist ein Plädoyer für einen neuen Gesellschaftsvertrag und die Pflicht zum Selbstdenken. Es erklärt, warum man sich der eigenen Rolle als Verbraucher stellen muss, wenn man über Landwirtschaft redet. Mehr davon!

Andreas Möller: Zwischen Bullerbü und Tierfabrik, Gütersloher Verlagshaus 2019; 240 Seiten, 20 Euro
Andreas Möller: Zwischen Bullerbü und Tierfabrik, Gütersloher Verlagshaus 2019; 240 Seiten, 20 Euro | Bild: Cover