Die Ferienzeit geht dem Ende entgegen. Wer auf Reisen war, kann den Freundeskreis mit neuen Anekdoten unterhalten. Denn es waren – wieder einmal – ungeahnte Herausforderungen zu bewältigen, Widerstände niederzuringen, Krisen zu meistern. Für die Autofahrer heißt die Krise Stau. Man hofft jedes Jahr aufs Neue, von ihm verschont zu bleiben, aber es gibt niemanden, dem dieses Glück je zuteil wurde. Irgendwann ist man dran – und übt sich in der Kunst des ruhigen Ertragens von etwas, das unangenehm ist oder lange dauert, also in Geduld.

In anderen Situationen kommt der Fahrer selbst mit stoischer Ruhe nicht weit. Denn ein rundes Hinweischild – innen weiß, außen rot – verweigert die Durchfahrt. Der Hinweis „Umleitung“ verheißt Abhilfe. Aber so einfach ist die Sache nicht. Im Gegenteil. Die Umleitung kann sich zu einer Denksportaufgabe entwickeln. Etwa dann, wenn die Straßenbauer es gut meinen und eine große Tafel mit Pfeilen und Linien aufstellen. Auf der soll man im Vorbeifahren lesen, dass die Umleitung über A-hausen, B-dorf, C-kirchen und E-tupfingen verläuft, mit alternativen Routen über F-ingen und G-heim. Wer das alles blitzschnell erfasst und gedanklich verarbeitet, könnte James Bond beerben.

Von wegen James Bond

Aber die meisten Leute sind nicht James Bond, sondern sie wollen einfach nur irgendwo hin und schnell dort ankommen. Wer sich indes einer Umleitung ausliefert, muss Zeit mitbringen, muss damit rechnen, dass er durch Dörfer kommt, in denen die Zeit 1945 stehengeblieben zu sein scheint – und er muss sich darauf einrichten, innerhalb der Umleitung nochmals umgeleitet zu werden! Kein Wunder, dass man sich erzählt, in der Zeit vor dem Navi sei manch Ortsfremder so lange durch die Gegend geirrt, bis sein Tank leer war.

Auch heute noch ist in Gottes Hand, wer einer Umleitung folgt. Denn nach dem ersten Umleitungsschild kann es oft viele viele Kilometer dauern, bis irgendwo am rechten Straßenrand ein zweites Schild versteckt ist. Bis dahin darf man nicht die Nerven verlieren, sondern muss stur auf Kurs bleiben. Falsches Abbiegen kann in einem Waldweg enden. Alle Hoffnung ruht also auf der Verlässlichkeit der Straßenbaubehörde.

Die Sonnenseite der Umleitung

Dennoch gibt es einen Lichtblick, denn Umleitungen haben auch eine Sonnenseite. Wer im Urlaub die Entschleunigung sucht – hier bekommt er sie. Wer einmal abseits der ausgetretenen Pfade auf Erleuchtung hofft – hier wird sie ihm gewährt. So hat es der Autor dieser Zeilen kürzlich erlebt, als im Pfälzer Wald die Bundesstraße 48 plötzlich vor einem „Durchfahrt verboten“-Schild endete. So hat er gelernt, dass sich hinter dunklem Tann ein Dörfchen namens Münchweiler an der Rodalb versteckt, was er ohne Umleitung wohl nie erfahren hätte! Ein zweites Dörfchen nannte sich Leimen. Was lernen wir daraus? Das Boris-Becker-Leimen ist nicht das einzige Leimen Deutschlands. Wenn wir also vom „Leimener“ sprechen, muss es künftig heißen: Der Leimener-bei-Heidelberger.

Was also tun? Wir brauchen mehr Vollsperrungen und Umleitungen – auch ohne Baustelle. Ich schlage dafür spontan die viel befahrene B14 zwischen Stockach und Tuttlingen vor. Die Autofahrer könnten die Schönheit des Hegau in ganz neuem Licht erleben! Pendler würden mal auf andere Gedanken kommen! Liebe Straßenbauer, auf was wartet ihr noch?