Manga, das ist die japanische Version von Comics. Sie haben weder mit Asterix noch mit Donald Duck etwas gemein, denn ihre Bildsprache reicht laut Brockhaus-Definition „von niedlich-romantisch bis brutal-pervers“. Mangas haben aber weltweit eine große Fangemeinde. Deshalb hat mitten in Tokio, gar nicht weit vom Kaiserpalast, ein Mangahotel eröffnet.

Keine romantischen Liebesnächte

Geschlafen wird dort in fensterlosen Kojen, die in den Bücherregalen integriert sind. 5000 Titel stehen bereit. Dabei sieht das Hotelmanagement romantische Liebesnächte offensichtlich nicht vor, denn es gibt eine Frauenetage und eine für Männer. Der Gast hat nicht zu lieben, sondern zu lesen.

Drei Manga-Mamsells in New York als Installation des japanischen Künstlers Takashi Murakami. Eher niedlich-romantisch, als brutal-pervers. Bild: Johannes Schmitt-Tegge/dpa
Drei Manga-Mamsells in New York als Installation des japanischen Künstlers Takashi Murakami. Eher niedlich-romantisch, als brutal-pervers. Bild: Johannes Schmitt-Tegge/dpa | Bild: Johannes Schmitt-Tegge

Welche Etage die niedlich-romantischen Geschichten bekommt und welche das brutal-perverse Material, ist eine gute Frage.

Worte statt Whirlpool

Aber die Idee, dem Hotelgast statt einer schönen Suite mit Wellness-Arena, kreisrundem Himmelbett und Räkel-Lounge lieber etwas Kultur zu schenken, ist ein guter Ansatz. Ein Davoser Hotel, das ohne goldene Wasserhähne auskommt, könnte mir dafür Zimmerwände bieten, die mit Texten aus Thomas Manns „Der Zauberberg“ tapeziert sind.

Das Paul-Löbe-Haus in Berlin macht's vor: Am Boden steht ein Zitat aus Thomas Manns "Zauberberg". Eine Putzfrau reinigt es, der Zauberberg muss sauber bleiben. Bild: dpa
Das Paul-Löbe-Haus in Berlin macht's vor: Am Boden steht ein Zitat aus Thomas Manns "Zauberberg". Eine Putzfrau reinigt es, der Zauberberg muss sauber bleiben. Bild: dpa | Bild: Hannibal Hanschke

Die Romanfigur Hans Castorp und dessen Gedanken und Erlebnisse in eben dieser Stadt wären ein Garant für eine gelungene Flucht aus dem Alltag. Ein Zauber ganz ohne Whirlpool-Blubb-Blubb.

Beim alten Bauer

Mangas sind ja nicht nur literarische Werke, sie sind vor allem auch Kunst zum Anschauen. Nun mangelt es ja in den Hotels meist nicht an Kunst. Gemälde oder Kunstdrucke von mehr oder weniger illustren Künstlern gehören zum Standard. Die ganz großen Namen sind aber nie dabei. Für eine Hotelnacht in Arles in Gesellschaft von Patience Escalier, dem Mann aus der Provence, den Vincent van Gogh als „Der alte Bauer“ porträtiert hat, würden kunstsinnige Gäste bestimmt auf zwei oder drei Sterne verzichten. Wäre das nicht ein lukrativer neuer Markt für Museen? Das Verleihen von großer Kunst an kleine Hotels für Kunstfreunde?

Wer bewacht Rembrandts Nachtwache?

Wäre es sicher nicht. Bevor der Kunstliebhaber von seinem Hotelbett in Amsterdam aus in den Genuss von Rembrandts „Die Nachtwache“ kommt, müsste zunächst der Versicherungsexperte davon überzeugt werden, dass dem Bild nichts geschieht. Ihm zu erklären, dass die Nachtwache sich schon selbst am besten bewacht, würde ihn vermutlich nicht überzeugen. Der Versicherungsexperte geht grundsätzlich davon aus, dass der Mensch schlecht ist. Ihm ist schwer beizukommen.

Eine Nacht bei den Kumpels

Dass die Bilder ins Hotel wandern, ist also kaum zu erwarten. Aber eine weitere Nachricht eröffnet Möglichkeiten. In Essen entsteht auf dem Museumsgelände des Weltkulturerbes Zeche Zollverein ein Hotel. „Die Besucher werden zurückfinden zu den Kumpeln“, heißt es dort auf der Homepage. Ob sie an der Rezeption etwas Kohle ins Gesicht geschmiert bekommen, um zumindest äußerlich dem Kumpel näher zu kommen, ist fraglich. Aber es zählt das Prinzip. Warum nicht auch anderswo die Gäste im Museum übernachten lassen?

Ganz intim mit Mona Lisa

Eine Nacht im Louvre in Paris für zwei Personen zum Beispiel. Ganz einfach, nur mit Isomatte und Schlafsack. Die Frau würde sich mit einer guten Flasche Wein zu da Vincis „Bacchus“ legen. Der Mann würde sein Nachtlager mit Mona Lisa teilen.

Für eine Nacht lang allein sein mit der Mona Lisa, das wäre das ultimative Museumserlebnis im Pariser Louvre. Bild: dpa
Für eine Nacht lang allein sein mit der Mona Lisa, das wäre das ultimative Museumserlebnis im Pariser Louvre. Bild: dpa | Bild: epa ansa

Eine ideale Bettlektüre gäb’s für ihn auch: Dan Browns „Da Vinci Code“, zu deutsch: „Sakrileg“.