Wenige Töne am Klavier leiten ein, dann wendet sich Bariton Thomas E. Bauer ans Publikum im Friedrichshafener GZH, als habe er mit jedem einzelnen Zuhörer schon lange über dieses Thema sprechen wollen: „So ist die Lieb! So ist die Lieb!“ Hugo Wolfs „Nimmersatte Liebe“ intoniert er als persönliches Bekenntnis – selbstironisch, genießerisch und am Ende sicher: „Und anders war Herr Salomo, der Weise, nicht verliebt!“ Bestürzend schmerzlich der nächste Einsatz: „Lebe wohl!“

Angstvoll und dramatisch

Wie der Dichter kann der Sänger nicht fassen, wie leicht er verlassen wurde, begehrt auf, bis ihm die Stimme versagt. Nervös springt „Der Feuerreiter“ von den Klaviertasten, erst angstvoll, dann immer dramatischer entfaltet sich die an alte Mythen angelehnte Geschichte.

Wolfs Lieder zeichnen sich durch ihre musikalische Nähe zur Sprache aus. Sie zu singen, bedeutet ungemein präzise zu artikulieren sowie Sinngehalt und musikalischen Ausdruck übereinzubringen. Bauer nimmt das ernst: Er hat eine Stimme von großer Beweglichkeit, kernig in den Tiefen, in den Mittellagen wie dunkle Schokolade mit Kupfergrund und in erstaunlichen Höhen weich und biegsam. Doch er lässt sie nur selten in reiner Schönheit fließen, sondern ordnet sie bedingungslos dem Ausdruck unter. Jos van Immerseel, Gründer und Leiter des Orchesters Anima Eterna Brugge, begleitet ihn am Klavier, empfindet jedes Wort mit und findet für jeden Wechsel überzeugende Töne.

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Auch Gustav Mahlers „Lieder eines fahrenden Gesellen“ werden zum intensiven Seelenbild. Bauer lotet Verzweiflung und Trotz bis zur Neige aus, erst in völliger Erschöpfung kann der Lindenbaum zum Sinnbild eines Neuanfangs werden. Diesmal begleitet das Orchester Anima Eterna Brugge unter der Leitung van Immerseels. Sachte stützt und trägt es ihn, als seine Stimme im Nichts verklingt, halten Bass und Fagott aus und ebnen den Weg zu sanftem Trost.

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Van Immerseel agiert mehr als Impuls- denn als steter Taktgeber, mit sparsamen und zugleich energischen Bewegungen bleibt er Anker der Musik. Er hat das Orchester Anima Eterna Brugge 1978 als Ensemble für Alte Musik gegründet und seitdem kontinuierlich weiterentwickelt. Heute spielt das Orchester Werke von Barock bis zur Gegenwart, und zwar auf den Instrumenten aus der Zeit des jeweiligen Komponisten.

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Transparent von einem schwebenden Gefühl des Verlusts durchzogen geben Streicher und Harfe das Adagietto aus Mahlers fünfter Sinfonie. Vor allem die erste Sinfonie von Johannes Brahms wird durch die zeitgenössische Instrumentierung zu einem Hörerlebnis: schlank, behände und unsentimenal.

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Die durchsichtige Anlage lenkt die Aufmerksamkeit auf Passagen, die sonst leicht im strahlenden Tutti untergehen. Mit wenig Vibrato und luftigen Bögen setzen die Streicher den Ton, Querflöten aus Holz geben den Melodien ihre Liedhaftigkeit wieder, mit anmutigem Klang betört die Oboe. Freundliche Farbe der Naturhörner und sanftere Trompeten und Posauen sind allerdings nicht ohne Nebengeräusche zu haben.