Es ist eine zierliche Armbanduhr mit Stunden- und Minutenzeiger, die über einem klassischen Zifferblatt ihre Runden drehen. Die Uhr ist nicht smart, sie misst keinen Puls, zählt keine Schritte, macht auch keine Ausflüge ins Internet. Sie gibt nicht einmal das Datum an. Einfach eine schlichte, schöne Uhr der Marke Skagen. Nagelneu.

144 Seiten Gebrauchsanweisung

Aber sie wird verkauft mit einem 144-seitigen quadratischen Servicebüchlein für Gebrauchsanweisung und Garantiebedingungen. Das ist deshalb so umfangreich, weil es in 16 Sprachen verfasst ist.

Ein Wort für alles auf Deutsch
Ein Wort für alles auf Deutsch | Bild: Südkurier

Ich liebe solche Büchlein. Sie sind Fundgruben für die vergleichende Sprach- und Kulturwissenschaft. Ein Beispiel: Wofür dem Deutschen ein Wort genügt, Standardeinstellungsanweisungen, dafür brauchen die Dänen schon drei Wörter,

Einstellungen auf Dänisch
Einstellungen auf Dänisch | Bild: Südkurier

Instruktioner for standardinstilliger, und die Portugiesen sogar fünf: Istruções para as definições padrão.

Die portugiesische Variante
Die portugiesische Variante | Bild: Südkurier

Ein praktisches Wörterbuch

Das Büchlein taugt auch als praktisches Wörterbuch. Sollten Sie einmal in Indonesien Ihre Hände waschen wollen, was mit dieser Uhr kein Problem ist, wie die Gebrauchsanweisung angibt, dann zeigen Sie ihre Hände und sagen Cuci Tangan, das werden die dann schon verstehen. Auf schwedisch heißt es einfach Handtvätt, das ist vom Deutschen ja gar nicht weit weg.

Auf Indonesisch ein paar Anweisungen
Auf Indonesisch ein paar Anweisungen | Bild: Südkurier

Wer geht noch nach dem Garten?

Die Sprache wandelt sich ständig. Nehmen Sie Goethe zum Beispiel. Er eilte in seinem Gedicht "Morgenklagen" noch nach dem Garten, und auch in seinen Wahlverwandtschaften ging Ottilie mit Nanny nach dem Garten. Mittlerweile aber gehen wir alle in den Garten, warum auch immer.

Die ewigen Sinnmacher

Auch der Kontakt zu anderen Sprachen sorgt für Wandel. Wolf Schneider, in meiner Ausbildungszeit in den 1980er-Jahren die Referenz für korrektes Journalistendeutsch, geißelte die Sinnmacher. Nichts könne Sinn machen, etwas könne Sinn haben oder Sinn ergeben. Aber das Englische, indem die Formulierung to make sense absolut geläufig ist, hat uns dieses Sinn machen vererbt. Heute vergeht kaum eine Sitzung, eine Diskussion, ein Streit, wo nicht irgendetwas Sinn macht. Erst gestern drückte sich auch in den Kommentarspalten des SÜDKURIER ein noch junger Sinnmacher aus.

Die Fans sind Fanatiker

Aus dem Englischen stammt auch das Wort Fan. Die Engländer ihrerseits übernahmen es über den Umweg des Französischen aus dem Lateinischen als fanatic und verkürzten es zu Fan. So hat's auch Einkehr ins Deutsche gefunden. Heute gibt es Fans von Werder Bremen, von Gartenkresse, von Porsche oder von Himbeereis.

Und von Uhren.

Von Fans und Enthusiasten
Von Fans und Enthusiasten | Bild: Südkurier

Unsere Armbanduhrmacher schreiben zum Schluss des besagten Servicebüchleins: "Vielen Dank, dass Sie dem internationalen Team der Skagen-Fans angehören".

Lauter Enthusiasten

Interessant ist aber, dass nur die Deutschen so fanatisch der Uhr zujubeln. Die Engländer lesen: "Thank you for being a part of the international team of Skagen-enthusiasts". Und Enthusiasten finden sich auch in Dänemark, Schweden, Spanien und Portugal.

In der Enthusiastenkurve

Der Duden macht einen feinen Unterschied. Der Fanatiker ist ein "begeisterter Anhänger", der Enthusiast dagegen einer, "der sich für etwas leidenschaftlich begeistert". Ganz fein, der Unterschied. Wir könnten, statt als einfache Fans, als distinguierte Bayern-Enthusiasten in der Enthusiastenkurve den Einzug des FC Bayern ins Pokalfinale feiern. Mit einer schicken Armbanduhr.