Eines jedenfalls kann man dem griechischen Neue-Musik-Komponisten Iannis Xenakis nicht vorwerfen: Dass er die Antike als Hort eines klassizistischen Schönheits- und Vollkommenheits-Ideals gesehen hätte. Sein Interesse lag zwar durchaus darin, den Geist der antiken Musik zu beschwören. Doch der tritt bei ihm als rohe, ungeschliffene Klangwucht in Erscheinung. Von Ebenmaß keine Spur.

Das Theater Basel hat nun Teile aus Aischylos’ „Oresteia“ mit Musik von Xenakis auf die Bühne gebracht. Es handelt sich dabei nicht um ein geschlossenes Musiktheater, es ist aber auch mehr als bloß Schauspiel mit Bühnenmusik. Xenakis kreiste in seinen Werken immer wieder um den antiken Mythos – mit einer archaischen, kantigen Musik, die bei Xenakis immer aus dem Perkussiven heraus entsteht.

Calixto Bieito (Regie) und Franck Ollu (musikalische Leitung) verbinden nun Text und Musik zu einem Abend, der die Handlung der Oresteia weniger erzählt als schlaglichtartig rekapituliert. Es schadet also nicht, die Geschichte der vielfachen Verkettung von Mord und Rachemord präsent zu haben. Sie beginnt mit Agamemnon (Simon Zagermann), der seine Tochter Iphigenie opfert, um die Götter im trojanischen Krieg milde zu stimmen. Dafür wird er von seiner Frau Klytaimnestra (Myriam Schröder) erschlagen, woraufhin sie von ihrem Sohn Orest (Michael Wächter) umgebracht wird, der damit wiederum seinen Vater rächt. Seine Schwester Elektra (Lisa Stiegeler) steht daneben und hilft ein wenig mit.

Passend zum bruchstückhaften Text und der unbehauenen Musik von Xenakis spielt der Abend auf groben Holzdielen (Bühne: Calixto Bieito/Marion Menziger), auf denen neben Chor (Chor des Theaters Basel, Mädchenkantorei und Knabenkantorei) und Schauspielern auch die Musiker der Basel Sinfonietta platziert sind. Neben dem großartigen Schauspieler-Ensemble und dem Chor, der sich virtuos zwischen Rufen, Sprechen, Singen und rhythmischer Deklamation bewegt, sorgt insbesondere der Bariton Holger Falk für eine der beeindruckendsten Szenen des knapp zweistündigen Abends. In seinem Monolog „Kassandra“ wechselt er blitzschnell zwischen den Figuren Kassandra und dem Chorführer und entsprechend auch zwischen Falsett und Bariton. Das Resultat ist eine überhitzte, nur vom Schlagwerk begleitete Szene, die die Zerissenheit der Seherin, der keiner glaubt, genial umsetzt.

Wenn es Bieto und Ollu bei „Oresteia“ darum gegangen ist, die antike Einheit von Musik und Tragödie wiederzubeleben, dann kann man diesen Versuch – der freilich keinen Anspruch auf Authetizität erhebt – durchaus als gelungen bezeichnen.

Weitere Aufführungen am 29. März, am 1., 3., 6. und 21. April sowie am 3., 19., 21. und 27. Mai. Tickets: www.theater-basel.ch