Ein Zelt ist nicht die Kulisse eines Rittersaals wie bei den Opernfestspielen in Heidenheim. Und doch hat Verdis „Nabucco“ in konzertanter Form auch seine Vorteile. Die Wucht, Kraft und Inspirationsbreite dieses Meisterwerks kommen unmittelbar zur Geltung. Vor allem, wenn es so dirigiert wird wie von Marcus Bosch.

Nie werden hier nur Schmachtfetzen runtergespielt oder Highlights einfach grell präsentiert. Nein, dieser „Nabucco“ hat Transparenz, Feinheit auch in der Klangfülle, hat Fluss und klare Energie. Bosch, der im Moment ganz in Heidenheim bei seinen Opernfestspielen eingespannt ist, kann Verdi und er tut als Erster Gastdirigent der Südwestdeutschen Philharmonie ausgesprochen gut. Das merkt man auch bei seinen Bruckner-Sinfonien im Konstanzer Münster.

Das Orchester spielt federnd, sehr aktiv, ganz vorne auf der Stuhlkante, und es zeigt, was es an Klangfarben und Glanz kann, wenn es nur entsprechend dazu eingeladen wird. Nie zieht Bosch diesen Verdi in die Schunkel- oder Ohrwurm-Ecke, nichts wirkt abgehangen oder routiniert, sondern alles ist in frischem, befeuerndem Fluss. Spätestens beim berühmten Gefangenenchor merkt man die Sorgfalt, mit der Bosch den Chor phrasieren und dynamisch elastisch bleiben lässt. Der Tschechische Philharmonische Chor Brünn setzte das grandios um und wurde zum grossen Garant konzertanter Sicherheit und Ausstrahlung.

„Mainau Open Air“ bedeutete vorgestern nicht nur Donner und Blitz, sondern vor allem fortissimo prasselnden Regen. Aber diese Verdi-Crew aus Heidenheim hatte solchen Spaß und solche stimmlichen Reserven, dass dieses Ansingen gegen die Natur teilweise etwas Amüsantes hatte. Verdis Opernmacht konnte der Macht der Natur etwas entgegensetzen. Viel anstachelnden Zwischenapplaus gab es für Randall Jakobsh als Zaccaria, der mit seinem runden, in den Tiefen breiten und warmen Bass tapfer gegen den Regen ansang.

Marcus Boschs Leistung war es auch, in großer Übersicht Chor und Orchester und vor allem Chor und Sängercrew zu verzahnen. Etwas, was bei Nabucco oft nur nebeneinanderläuft, wurde hier zu einer packenden Stütze des Gesamtflusses. Die Heidenheimer, die auf der Mainau diesen lohnenden konzertanten Halt eingelegt haben, sind auch solistisch famos.

Neben dem enorm präsenten, große Ruhe ausstrahlenden Zaccaria war Antonio Yang zu bewundern, als Nabucco ein Stimmwunder, ein Sänger der von null auf hundert eine Power freisetzen kann, die ihresgleichen sucht. Wie Ira Bertman als Abigaille steigerte er sich im Laufe des Abends immer mehr. Ira Bertman beherrschtde die hohen, schweren Partien bravourös und mit dieser Strahlkraft, die viele östliche Stimmen immer wieder auszeichnet. Eine Stimme, die sich einprägte, war auch Katerina Hebelkova als Fenena. Mit einer großen Bandbreite an lyrischer Farbe und verinnerlichter Stimmsicherheit begeisterte sie.