Solche Geschichten können nur die Briten erzählen: Menschen trotzen ihrem tristen Schicksal und schmieden einen Plan, der unmöglich funktionieren kann. Vermutlich hat alles 1996 mit „Brassed Off“ begonnen, einer Sozialkomödie über eine Blasmusik-Band aus Bergleuten, deren Zeche geschlossen wird. Bekannter ist allerdings „Ganz oder gar nicht“ (1997) über Arbeiter aus einer darbenden Industriestadt, die sich als strippende Showtanzgruppe versuchen. Die Handlung von Oliver Parkers Film „Swimming with Men“ funktioniert ähnlich: Im Schwimmbad trifft der unglückliche Buchhalter Eric (Rob Brydon) auf eine bunt gemischte Männergruppe, die Figuren für ein Wasserballett probt, aber immer wieder scheitert. Eric weiß, warum: Sie sind einer zuviel, die Zahl der Mitglieder müsste gerade sein, um das Chaos in geregelte Bahnen zu lenken. Die Männer haben eine bessere Idee; und so wird Eric zum Synchronschwimmer.

Parker hat für seine Komödie die perfekte Mischung gefunden. Im Grunde ist der Film ein Drama, denn die anderen haben allesamt ein ähnliches Päckchen zu tragen wie Eric, was das Drehbuch (Aschlin Ditta) aber meist bloß andeutet. Andererseits ist es natürlich witzig, wenn sich die Männer als Wasserballett probieren; im Vergleich zu olympischen Darbietungen oder den klassischen „Aqua-Musicals“ aus Hollywood wirken die Herren recht tollpatschig. Deshalb mutet es erst tollkühn an, dass sie sich zur inoffiziellen Weltmeisterschaft im Synchronschwimmen anmelden. Die komischen Momente sind allerdings nie albern oder plump. 

Ganz entscheidend für diese Art Humor ist die Zeichnung der famos gespielten Figuren, deren Darsteller mit Ausnahme von Rupert Graves hierzulande kaum bekannt sein dürften. Imposant ist auch ihre sportliche Leistung. Keiner ist ein trainierter Schwimmer; einer der Schauspieler bezeichnete das Training für die Wasserszenen als „organisiertes Ertrinken“. Die Mitglieder des Teams sind von entsprechend trauriger Gestalt, doch Parker belässt ihnen stets ihre Würde, wie absurd die Ereignisse auch sein mögen; eine wichtige Voraussetzung fürs fesselnde Finale, bei dem der Film seinem Realismus ebenso treu bleibt wie beim Happy End. Abgerundet wird „Swimming with Men“ durch eine wunderbar stimmige musikalische Untermalung (Charlie Mole), deren an die Musik aus Italo-Western erinnerndes Leitmotiv einen verblüffenden Kontrapunkt zu den hingebungsvoll dilettantischen Darbietungen darstellt.

Abspann:

Regie: Oliver Parker

Darsteller: Rob Brydon, Rupert Graves, Charlotte Riley

Produktionsland: Großbritannien 2018

FSK: ohne Altersbeschränkung

Fazit: Toll gespielte Sozialkomödie mit liebenswerten Charakteren