Ein Solist gleich am Beginn eines Konzertes? Ungewöhnlich, aber offenbar beim Publikum der Südwestdeutschen Philharmonie höchst willkommen! So ging es gleich ohne Vorwärmen zur Sache mit der „Fantasie brillante“ für Flöte und Orchester über die bekannten Opernschlager aus Bizets „Carmen“, zusammengefügt von François Borne. Die virtuosen Variationen faszinieren, gleichzeitig ermüden sie aber auch mit der Zeit ein wenig – Virtuosität als Selbstzweck war schon Mozart ein Graus. Doch der Solist Stefano Maffizzoni sorgte für Genuss, servierte die Capriolen gekonnt und mit feinem Gespür für die Nuancen bis hin zu verklingenden Diskanttönen.

Romantische Unterhaltungsmusik

Als gehobene romantische Unterhaltungsmusik kann auch die 2. Sinfonie des norwegischen Geigers und Komponisten Johann Svendsen gelten, die nach der Pause erklang. Seine farbigen Melodien werden durch Kontrapunkte nicht gestört, weithin vernimmt man ein fortdauerndes Schwelgen und Jauchzen, mal klingt es mehr nach Schumann, mal tönt es wie emotional gesteigertes Singen mit beethovenschem Vorwärtsdrängen, die handwerkliche Arbeit ist bemerkenswert, die Ideen bleiben eher blass.

Was ist bei Beethoven schon gewöhnlich?

Eine Solo-Kadenz gleich am Beginn eines Konzertes? Ungewöhnlich, aber was ist bei Beethovens fünftem Klavierkonzert in Es-Dur schon gewöhnlich. Beim Hauptwerk des Abends handelt es sich zweifellos um ein Schwergewicht unter den Klavierkonzerten, nicht nur wegen der technischen Anforderungen. Es gilt, sich hier in schnell wechselnden Emotionen zurechtzufinden: Strahlender Optimismus steht neben mystisch verdunkelten Gedanken und das permanent im Dialog zwischen Klavier und Orchester, oft auf verschlungenen Wegen durch weit entfernte Tonarten. Das gelang.

Erfrischende Selbstverständlichkeit

Shiran Wang spielt seit ihrem vierten Lebensjahr Klavier und begann bereits mit elf Jahren ihr Studium in Peking, gewann viele Preise, darunter 2008 den Rachmaninov-Wettbewerb in Moskau. Sie zauberte mit einer erfrischenden Selbstverständlichkeit die schnellen Skalen in den Saal, war rhythmisch stets präzise, platzierte gesundes Fortissimo ohne zu donnern, vermittelte Beethoven mit tänzerischer Eleganz, die nirgends aneckte, und streute immer wieder eine Prise Empfindsamkeit hinein – wohltuend!

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Besonders hellhörig wurde man bei ihren brilliant gespielten Variationen, bei denen das Orchester ganz nah am Klavierpart entlang musizierte, akkurat die Pizzicato-Akkorde hineintupfte und mit einer souveränen Leichtigkeit begleitete. Das Adagio con moto böte noch mehr Gestaltungschancen – es fehlte ein bisschen Seele in diesem wunderschönen Satz. Doch der Konzilssaal trägt leider auch nicht bei sehr leisen Passagen, da wird die Philharmonie bei ihrem Gastkonzert in Wien für diese musikalischen Feinheiten sicher bessere Bedingungen vorfinden. Anhaltender Beifall für die Musiker der Philharmonie, ihren agilen Chefdirigenten Ari Rasileinen und die sympathische Solistin, die leider ohne Zugabe entschwand.