Auch Legenden sind nicht davor gefeit, von neuen Vorgesetzten abgesägt zu werden. Schmerzlich erfahren muss dass in „Late Night – Die Show ihres Lebens“ Katherine Newbury (Emma Thompson).

Schluss mit der Plauderrunde

Gerade noch wurde die Britin mit einem Preis für ihr Lebenswerk als Komikerin und vor allem erster und einziger Frau mit einer täglichen Late Night-Talkshow im amerikanischen Fernsehen geehrt. Doch das Ignorieren der Anrufe der neuen Senderchefin bringt nichts: Nach der laufenden Staffel soll Schluss sein mit der nächtlichen Humor- und Plauderrunde, die Quoten stimmen eigentlich schon lange nicht mehr.

Ist Katherine schlicht zu alt? Zu weiß? Und ihr Autorenteam zu männlich? So lautet zumindest die These von Molly Patel (Mindy Kaling, die auch das Drehbuch schrieb) die als junge, indisch-stämmige Frau zunächst eigentlich nur als Feigenblatt in Sachen Diversität eingestellt wird. Ohne jegliche TV- und mit bescheidener Comedy-Erfahrung nehmen weder die männlichen Kollegen noch Katherine selbst sie ernst, doch bald stellt sich heraus, dass gerade ihre frische, ungewohnte Perspektive genau das ist, was die Sendung braucht.

Mit einem Mal sorgt „Late Night with Katherine Newbury“ für Schlagzeilen – und die Quoten steigen wieder. Doch von ganz oben wird trotzdem ein – natürlich männlicher – Nachfolger in Stellung gebracht.

Eine feste Größe

Spätabendliche Talkshows, die Humor und Promi-Gespräche kombinieren, sind im US-Fernsehen eine feste Größe, und dass bis heute keine Frau eine der großen Sendungen moderiert, ist eigentlich kaum zu glauben. Doch darum geht es in „Late Night“, dem ersten Kinofilm von Regisseurin Nisha Gatra, nur am Rande. Denn natürlich soll vor allem vom Verhältnis der beiden Protagonistinnen erzählt werden, das zunächst von Ehrfurcht und Ablehnung geprägt ist, bevor Katherine für Molly zu einer Art Mentorin werden kann.

Das könnte Sie auch interessieren

Längst nicht alles an „Late Night“ ist so gut, wie es sein könnte. Die Inszenierung bewegt sich oft zu sehr auf Sitcom-Pfaden, Molly kommt als Figur nicht annähernd so ecken- und kantenreich daher wie ihr Gegenpart und bei Themen wie Gleichberechtigung, Altersdiskriminierung oder Rassismus könnte man noch um einiges tiefer schürfen.

Große Freude

Doch dass sie überhaupt verhandelt werden, ist eine große Freude. Nicht zuletzt dank der beiden blendend aufgelegten Hauptdarstellerinnen.

Das könnte Sie auch interessieren

Infos zum Film

Originaltitel: Late Night

Regie: Nisha Ganatra

Darsteller: Emma Thompson, Mindy Kaling, John Lithgow, Hugh Dancy

Produktionsland: USA 2019

FSK: o.A.