Menschliche Begegnungen sind von wechselnden Energiefeldern geprägt, in denen die unterschiedlichsten Kräfte wirken. Sie kämpfen miteinander, gehen an ihre Grenzen und loten aus. Schwankende Spannungen erzeugen Rhythmen. Diese reizvollen, belebenden Facetten der Kommunikation und des Kraftmessens finden sich visualisiert in den Holzskulpturen von Armin Göhringer und in den Objekten von Sati Zech, wie sie derzeit in der Galerie Wohlhüter in Thalheim zu sehen sind.

Holzquader, verbunden durch zarte Stege, schmiegen sich Schutz suchend aneinander und scheinen sich gegenseitig zu stützen. Stege, die horizontale schwere Quader miteinander verbinden, sind so zierlich, dass der Betrachter die verborgene Stabilisierung sucht. Die findet er jedoch nicht, da Armin Göhringer nicht manipuliert, sondern sich Schnitt für Schnitt den inneren Kräften des Holzes nähert. Er arbeitet die Formen stets aus einem Stamm, setzt nichts an oder zusammen. Mit der Kettensäge bringt er horizontale und vertikale Schnitte in das Holz ein, bis die Skulpturen immer filigraner werden – fast bis zum Zerbrechen. Die Oberflächen sind unbehandelt, auf ihnen sind die ins Holz geprägten Schwünge der Kettensäge sichtbar. Lediglich eine Schwärzung der Oberflächen lässt die gewachsene Farbigkeit des Holzes verschwinden zugunsten des Kräftespiels.

In Sati Zechs „Bollenarbeiten“ steckt Rhythmus.
In Sati Zechs „Bollenarbeiten“ steckt Rhythmus. | Bild: Isabell Michelberger

Sati Zechs Sujet ist vornehmlich die gesprochene, lautmalerische Kommunikation. Ihre berühmten „Bollenarbeiten“, rote Flecken auf hellem, zusammengenähtem Leinen, visualisieren Rhythmus. Ja, man kann die lebhafte Folge von Flecken wie eine Partitur lesen und könnte den Rhythmus klatschen. Große rote Farbflecke klingen im Ohr wie ein Schlag auf die Trommel, während sich die vielen kleinen oder auch halben Flecken wie eine Melodie lesen lassen.

Die Leinenstücke, die als Maluntergrund dienen, sind zusammengenäht, fügen sich aneinander und verkörpern eine Grenze, die nicht überwunden werden kann. Der Melodie- oder Sprachfluss kommt ins Stocken und bricht ab. Anderes drängt sich seitlich herein, weitet sich über den Rand hinaus und bildet ein ästhetisches Ganzes.

Sati Zech und Armin Göhringer, Galerie Wohlhüter in Thalheim, noch bis 2. Juni, Fr 13-18 Uhr, Sa 10-14 Uhr, So (außer 26. Mai) 11-16 Uhr oder nach Vereinbarung. Infos:
http://www.galerie-wohlhueter.de