Eine große Brille hatte Gloria 2013 auch schon. Damals, als Sebastián Lelio mit seinem gleichnamigen Film das Premierenpublikum auf der Berlinale begeisterte und Paulina Garcia als beste Darstellerin ausgezeichnet wurde. Nun hat der chilenische Regisseur das Frauenporträt unter demselben Titel in den USA gleich selbst erneut verfilmt – statt Garcia allerdings schaut mit Julianne Moore diesmal ein Hollywood-Star durch die übergroßen Brillengläser der Hauptfigur.

Ähnliches Leben

So sehr sich die beiden Schauspielerinnen äußerlich unterscheiden: Lelios‘ zweite Gloria führt in vielerlei Hinsicht ein ähnliches Leben wie zuvor die chilenische – nur eben nicht in Santiago, sondern in Los Angeles. Auch diesmal ist Gloria Ende 50, hat eine erwachsene Tochter und einen Sohn (Michael Cera), lebt aber seit ihrer Scheidung vor mehr als zehn Jahren allein. Sie hat einen Job bei einer Versicherung, geht zum Yoga und verbringt ihre Abende gern in einem Club, wo sie zu Disco-Hits und Pop-Gassenhauern aus den 80ern und 90ern tanzt. Dort trifft sie auch auf den ebenfalls geschiedenen Familienvater Arnold (John Turturro), mit dem sie schließlich eine Beziehung versucht.

Julianne Moore als Gloria und John Turturro als Arnold in einer Szene in "Gloria - Das Leben wartet nicht"
Julianne Moore als Gloria und John Turturro als Arnold in einer Szene in "Gloria - Das Leben wartet nicht" | Bild: - (SquareOne Entertainment)

Dramatische Augenblicke

„Gloria“ spielt die dramatischen Augenblicke, die auch dieser späte Beziehungsversuch mit sich bringt, nie kinoüberlebensgroß aus. Vielmehr streift er ruhig und mitunter melancholisch beobachtend durch das Leben seiner Protagonistin und zeigt Konflikte, Alltägliches, ihre kleineren und größeren Kämpfe.

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Anders als ihre chilenische Spiegelung, die auf sehr sympathische Weise eine ganz durchschnittliche Frau verkörperte, verliert Moore ihre Star-Aura nie ganz: Ihr feines Spiel, das in Turturro seine hervorragende Entsprechung findet, trifft in jeder Szene die entscheidenden Nuancen und lässt manchmal innerhalb kurzer Zeit ganz unterschiedliche Gefühle darin zusammenströmen. So wie in der letzten Einstellung, im finalen, sehr ergreifenden Moment, der zwischen Lachen und Heulen die schmerzvollen Erfahrungen des bisherigen Lebens genauso in sich trägt wie einen optimistischen Blick nach vorn – in diesem Remake, das dem Original in nichts nachsteht.

ABSPANN

Land: USA

Regie: Sebastián Lelio

Darsteller: Julianne Moore, John Turturro, Michael Cera

Länge: 102 Minuten

FSK: ohne Altersbeschränkung