Bescheidenheit ist eine Tugend, nur macht sie wenig Spaß. Wer behauptet, fünf hart gekochte Bio-Eier im Osternest seien ihm lieber als ein echtes Fabergé-Ei, der lügt entweder oder weiß nicht, welche Kunstwerke Fabergé als Hofjuwelier des Zaren zustande brachte. Ich will Luxus. Luxus, wenn er schön ist. Wunderschön ist Nicole Kidman, wie sie auf einer Reklame eine goldene Uhr trägt. Stopp, darf man das überhaupt zugeben? Nach 1968 war es verpönt, dass Künstler sich für kommerzielle Zwecke einspannen ließen. Als Filmregisseur Wim Wenders erstmals für Hemden warb, geißelten ihn seine Fans als Schrittmacher des Kapitalismus. Echt? Sind gut gemachte Hemden nicht toll? Sind die Werke von Wim Wenders deshalb schlechter geworden?

Ehrliche Unehrlichkeit

Als die SPD-Politikerin Sawsan Chebli kürzlich auf einem Foto mit einer Rolex-Uhr zu sehen war: großer Skandal! Warum? Ist ein DFB-Präsident, der sich von einem ukrainischen Fußball-Oligarchen eine Luxus-Uhr schenken lässt, besser als die Sozialdemokratin Chebli, weil man von einem Fußball-Häuptling sowieso nichts anderes erwartet als Korrumpierbarkeit? Ist seine Unehrlichkeit also nur ehrlich?

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Bertolt Brecht, obwohl links, dichtete 1926 Werbesprüche für eine Autofirma und ließ sich stolz mit dem geschenkten Steyr ablichten. Schlimm? Heutzutage sind benzinsaufenden Luxusautos zwar nicht mehr erstrebenswert. Aber ein Linker, der Klassenbewusstsein mit echtem Qualitätsbewusstsein verbindet, hat höhere Ziele und ist mir lieber als einer, der weder Stil- noch Kunstempfinden hat. Und eine Nicole Kidman schätze ich mehr, als jene aufgebretzelten Influencerinnen, die im Internet Schminke verkaufen. Ist das ungerecht?

Schlechtes Gewissen

Reiche Leute verstecken ihren Luxus oft. Vielleicht haben sie ein schlechtes Gewissen. Allerdings: Die Welt wird nicht besser, nur weil man seinen Reichtum versteckt, sondern nur, wenn man ihn mit ärmeren Menschen teilt. Stichwort Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer, Stiftungen und Spenden. Alles andere ist Augenwischerei. Ich will sehen, wie das gute Leben aussieht. Dazu gehört unter vielem anderen auch – ein bisschen Luxus.