Was ist Ihnen bei der ersten Lektüre durch den Kopf gegangen?

Als ich das aktuelle Libretto erstmals gelesen habe, konnte ich es kaum abwarten, diese fünf historischen Figuren intensiv kennen zu lernen. Der biographische Hintergrund bildet das Skelett dieser Arbeit, nicht aber ihr Fleisch und Blut. Der Text und die Musik gaben uns viel kreativen Freiraum zur Entwicklung.

Was war die größte Schwierigkeit?

Die größte Schwierigkeit war definitiv, sich ein genaues Bild davon zu machen, wie die Musik am Ende klingen könnte. Obwohl ich die Partitur vorliegen hatte, Midi-Files anhören konnte, bei Ensemble Proben anwesend war und erste Aufnahmen des Orchesters zugespielt bekam, war ich erst während der Orchestersitzproben in der Lage, mir ein Gesamtbild der Klangwelten zu machen, mit denen wir es im Stück zu tun haben.

Warum sollen wir reingehen?

Es wird Sie berühren. "Diodati. Unendlich" ist einerseits zutiefst suchend und schmerzlich schön, andererseits aber auch lustig, schockierend und überschwänglich. Es ist ein Stück voller Kontraste und die Musik ist absolut einzigartig. Haben Sie jemals eine Trauerarie nur von einer klagenden E-Gitarre begleitet gehört? Wirklich, dieser Abend ist eine psychedelische Achterbahnfahrt für Ohren, Augen und Kopf.

Der stärkste Satz?

Einer meiner liebsten Momente im Stück ist Nummer 17: Heilen. Es ist eine Dialogszene zwischen George Byron und John Polidori, die unglaubliche psychologische Intensität erreicht und gleichzeitig strukturell sehr abstrakt bleibt. Unsere Besetzung ist so spektakulär, dass es mir wirklich schwer fällt einen Lieblingsmoment zu benennen. Alleine diese großartigen Künstler*innen gemeinsam auf der Bühne zu sehen, ist Grund genug zur Theaterkasse zu rennen!