Die Klavierfans im Burghof waren begeistert. „Besser als Lang Lang!“, hörte man in Kommentaren nach dem Konzert von Vassilis Varvaresos. Der 29-jährige Grieche braucht Vergleiche mit Topstars nicht zu scheuen. Es ist erstklassiges Klavierspiel. In seinem Recital hat er sich auf Walzer und Tänze kapriziert. Seine Sicht von Schumanns „Faschingsschwank aus Wien“ war schön, weil unäußerlich, leidenschaftlich und bewundernswert frisch. Bei Liszts teuflisch schwerem "Mephisto-Walzer" lag in der Kopfhaltung ein bisschen Show, aber zugegeben: Mit seinen langen Haaren sieht Vassilis Varvaresos wie ein junger Liszt aus – ganz Sensualist und Virtuose.

Skrjabins "As-Dur-Walzer" op. 38 erklingt farblich differenziert und ausgezeichnet brillant, auch fantasievoll. Und in Ravels Walzer-Apokalypse „La Valse“ beeindruckt die Demonstration der stupenden Technik. Sinnlich geradezu, wirkt die Zurücknahme in einem Tschaikowsky-Walzer, bei dem er die Tasten so zärtlich streichelt, dass man das richtig sieht.

Da der aus Thessaloniki stammende Pianist im Rahmen des Festivals „Culturescapes“ mit Schwerpunkt Griechenland auftrat, war es Ehrensache, etwas aus seiner Heimat zu spielen: sogar Zeitgenössisches, die "Suite Nr.1 für Klavier" des Geigers und Komponisten Simos Papanas, die wie für Varvaresos geschaffen ist.

In ihren harten Kontrasten und Disharmonien mutet sie uns etwas fremd an, schwankt zwischen Impressionismus und Jazz, Debussy und orientalischer Weltmusik à la Fazil Say, ist inspiriert von Plätzen in Makedonien und Glockenklang und gipfelt in einem Balkantanz. Einige Sätze sind stark pedalisiert, was die Töne verschwimmen ließ, aber das macht neben gewissen Irritationen den farblichen und atmosphärischen Reiz aus. Dass es auch eine sehr rhythmische und jazzig inspirierte Musik ist, zeigte sich in einem Satz, in dem Varvaresos die rechte Hand improvisierend führen muss, was ihm frei und groovend gelang. Ein Geheimtipp!

Konzert: Vassilis Varvaresos spielt am 3. Dezember, 11 Uhr, zum Abschluss des Festivals "Culturescapes" im Basler Gare du Nord Nikos Skalkottas drittes Klavierkonzert.