Der Riesen-Fund hatte unter Fachleuten auf der ganzen Welt Freude ausgelöst. Der Konstanzer Archäologe Jan Assmann sprach im Interview mit dem SÜDKURIER von einer „erstaunlichen Qualität“ der Kolossalstatue, die in der vergangenen Woche bei Bauarbeiten in Kairo im Boden entdeckt und geborgen wurde. Voreilig hatten ägyptische Behörden die Statue dem legendären Pharao Ramses II. (1303 bis 1213 vor Christus) zugeordnet. Als erster Experte weltweit äußerte Assmann im Gespräch mit dieser Zeitung Zweifel. Er begründete dies mit der Tatsache, die Statue bestünde aus Quarzit. Dieses kostbare Gestein passe nicht zu Ramses II., der von sich Kolossalstatuen in „Serienfabrikation“ habe herstellen lassen.

Assmanns Annahme hat sich bestätigt. Die ägyptischen Fachleute rückten von ihrer Ramses-These ab. Denn was schon Assmann für möglich erachtet hatte, ist passiert: Die Archäologen fanden das Bruchstück einer Hieroglyphen-Inschrift, die über den Pharao der Statue Auskunft gibt. Demnach kommt der berühmte Pharao Psammetich I., der von 664 bis 610 über Ägypten herrschte, als Auftraggeber in Betracht. Das teilte das Antikenministerium in Kairo mit.

Antikenminister Chaled al-Enani sagte bei einer Pressekonferenz, es seien die Worte „starker Arm“ entziffert worden, einer der Namen des Pharaos der 26. Dynastie. Es sei aber noch nicht zu „hundert Prozent“ sicher. Weitere Untersuchungen seien nötig. Die Reste gehören zu Kopf und Rumpf. Das Archäologen-Team hat, wie sich nun herausgestellt hat, die Reste zweier Pharaonenstatuen entdeckt. Die anderen Teile gehören zu einer Statue des Pharao Sethos II. (1204 bis 1198 vor Christus). Die Funde wurden am nordöstlichen Kairoer Stadtrand in Matarija gemacht. Dort befand sich einst die heilige Stadt Heliopolis. Sie war dem Sonnengott Re geweiht und gilt als der Ort, an dem er die Menschheit erschuf.