Bunte Kindlichkeit und viel fürs Auge – mit dem Ziel, Kunst unters Volk zu bringen: So lässt sich das Schaffen des Künstlers Otmar Alt (77) umschreiben, der nicht nur für Bilder und Skulpturen bekant ist, sondern auch für die Gestaltung von Alltagsgegenständen. Es ist ein Farben-Festival, das sich dem Betrachter der Werkschau in der Kunsthalle Messmer in Riegel erschließt.

Reinhard Hend aus dem südbadischen Gengenbach kennt Otmar Alt genau – in Gengenbach hat der Schwarzwald-affine Künstler (Alt ist in zweiter Ehe mit einer Frau aus dem Schwarzwald verheiratet) vor 21 Jahren den größten Adventskalender der Republik ins Leben gerufen. In der Orgel-Stadt Waldkirch war er als Designer zahlreicher Klein- und Großinstrumente aktiv. Hend sagt zur heiteren Farbigkeit der Werke von Otmar Alt, er sei ein Geschichtenerzähler, der die „Rückgewinnung der Kindheit durch die erwachsene Reduktion auf das Wesentliche erreicht“. Aus dem Bestand seiner Stiftung ist die Schau in Riegel bestückt.

Sie pflegt einen chronologischen Aufbau. Zunächst der junge Alt, 1940 als Sohn eines Kirchenmusikers in Wernigerode im Harz geboren, mit den Anfängen in der so bezeichneten informellen Stilrichtung. Von der verabschiedet er sich schnell und bruchartig, er wechselt in die figurative Kunst – der krasse Gegensatz wird gleich zu Beginn der Ausstellung deutlich. Dann zeigen Beispiele aus den 60er-, 70er- und 80er-Jahren, wie sich Alts Bildgebung verändert. Tiere spielen unter Fantasienamen eine große Rolle in seiner Bilderwelt. In der Ausstellung denkt man an Pop Art, an Joan Miró, und erkennt die Parallelen zum Werk der Vertreter der Neuen Figuration, wie Horst Antes, HAP Grieshaber und Wilhelm Lot. Dennoch: Alt hat einen eigenen unverkennbaren Stil entwickelt. Katharina Sagel, die die Ausstellung zusammen mit Kunsthallen-Mäzen Jürgen Messmer konzipiert hat, findet das ausdrucksvolle Farbenspiel faszinierend, weil hier „jeder der Kunst ganz offen begegnen kann“.

Die Ausstellung präsentiert auch Spezialitäten. „Schwarzwaldliebe“ ist eine Serie von hohem unterhaltendem Wert und geht bis hin zur Interpretation der Schwarzwälder Kirschtorte. Auch Nachempfindungen der Werke von Künstlern wie Andy Warhol sind zu sehen. Und schließlich eine Serie zur Otmar-Alt-Bibel, mit Bildern von biblischen Szenen, geschaffen zum Luther-Jubiläum als Übersetzung religiöser Botschaften für ein breites Publikum.

Viele Menschen zu erreichen, das war das Ziel des Kirchen-Reformators Martin Luther, und das ist auch das Ziel von Otmar Alt. Er will Kunst in die Alltäglichkeit bringen – und scheut deshalb auch nicht davor zurück, Orgeln zu verkleiden, aus denen teils banale Musik erklingt, Kinderspielzeug zu schaffen oder das besondere Service für den Geschirrschrank. Jürgen Messmers Fazit: „Otmar Alt ist ein universeller Geist.“ Wobei die Dichte der Ausstellung mit fast 120 Werken auch ein wenig das Gefühl vermittelt, als habe man ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte zu viel verspeist.

Otmar Alt – Lebenswege: Kunsthalle Messmer in Riegel, bis 27. Mai 2018, geöffnet Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Informationen aufwww.kunsthallemessmer.de