Sollte noch irgendwer daran gezweifelt Zweifel haben, dass Nicole Kidman eine der vielseitigsten Schauspielerinnen unserer Zeit ist, der dürfte in den vergangenen Monaten endgültig widerlegt worden sein. „Aquaman“, „Mein Bester & ich“, „Der verlorene Sohn“ – unterschiedlicher hätten Kidmans Rollen kaum sein können, inhaltlich wie optisch. Nun fügt sie mit „Destroyer“ ein weiteres eindrückliches Kapitel hinzu.

Als LAPD Detective Erin Bell sind ihr hier Desillusionierung und lange Jahre nervenzehrender Polizeiarbeit geradezu ins ungeschminkte Gesicht geschrieben. Als sie an einem Tatort in einer der unglamourösesten Gegenden von Los Angeles einen Toten wiedererkennt, holen sie die Dämonen der Vergangenheit ein. Eine Drogen- und Bankraubgang, die sie und ihr damaliger Partner (Sebastian Stan) einst als Undercover-Agenten infiltrierten, scheint wieder aktiv zu sein – und Bell begibt sich im Alleingang auf einen Vergeltungsfeldzug.

Der Gender-Switch funktioniert

Regisseurin Karyn Kusama inszeniert einen L.A. Noir-Film, wie er schmuddelig-brutaler nicht sein könnte. Zu zeigen dass sich eine solche Geschichte auch mit einer Frau statt eines Mannes erzählen lässt, sei ihr Ziel gewesen, gab sie kürzlich im Interview zu Protokoll, und natürlich funktioniert der Hauptrollen-Wechsel reibungslos. In Sachen Austeilen und Einstecken hält Kidman in einer wortkargen und körperlichen, von traumatischen Erfahrungen gezeichneten Performance locker mit den sonst üblichen, männlichen Protagonisten mit.

Allein ein Gender-Switch, gepaart mit einer umständlichen, sich auf Rückblenden verlassenden Erzählstruktur, macht noch keinen großartigen Film. So spannend „Destroyer“ bisweilen ist, so flach bleibt die Figurenzeichnung. Selbst die Seelenpein und Rachegelüste von Kidmans Antiheldin wirken eher behauptet als wahrhaftig empfunden, genau wie der ungewohnt rohe Look wie die auf Effekt zielende Maske einer Schauspielerin ausieht.

Abspann

Regie: Karyn Kusama

Darsteller: Nicole Kidman, Sebastian Stan, Tatiana Maslany, Toby Kebell

Land: USA 2018, Länge: 123 Minuten

Fazit: Starke Hauptdarstellerin, schwächelndes Thriller-Drehbuch