Die Geschichte ist zeitlos schön: Ein Offizier verliebt sich in eine begehrenswerte Frau, fürchtet jedoch, abgewiesen zu werden, weil er eine sehr, sehr große Nase hat. Außerdem hat Roxane ihr Herz an einen seiner Soldaten vergeben. Also lebt der Offizier seine Gefühle indirekt aus: Weil die Dame geistreich umworben werden will, der Kollege in dieser Hinsicht jedoch nichts zu bieten hat, schreibt der Schöngeist in dessen Namen Liebesbriefe. Es gab schon einige sehenswerte Adaptionen von Edmond Rostands Vers-Drama „Cyrano de Bergerac“ – Aron Lehmann ist eine völlig neue Variante gelungen.

Modernes Märchen

Das Drehbuch macht aus der Vorlage eine Teenager-Romanze und erzählt sie als modernes Rap-Märchen: Bei einer Klassenfahrt nach Berlin verliebt sich der wegen seiner großen Nase gemobbte Cyril (Aaron Hilmer) in die freche Mitschülerin Roxy (Luna Wedler). Ihre Seelenverwandtschaft steht außer Frage, doch Luna betrachtet Cyril als Freund und verguckt sich in den stillen, aber attraktiven Rick (Damian Hardung) – erst recht, als sie überzeugt ist, dass er hinter der Maske eines Battle-Rappers steckt, der für Furore sorgt.

Das Plakat zur Komödie "Das schönste Mädchen der Welt".
Das Plakat zur Komödie "Das schönste Mädchen der Welt". | Bild: Nadja Klier / Tobis Film

Tatsächlich ist Rick jedoch ein Hohlkopf. Cyril hilft ihm, Roxys Herz mit poetischen WhatsApp-Nachrichten und Rap-Botschaften zu erobern, denn es gibt einen weiteren Nebenbuhler: Ein unsympathischer Aufreißer (Jonas Ems) wettet, dass er das Mädchen rumkriegt. Seine Kumpane freuen sich schon auf das Sex-Video.

Lehmann hat bereits einige bemerkenswerte Komödien gedreht. „Das schönste Mädchen der Welt“ ist ein völlig anderer Stoff, doch er inszeniert ihn mit der gleichen Leichtigkeit. Außerdem erweist er sich als Regisseur, der junge Darsteller zu großen Leistungen führen kann. Gerade die Schweizerin Luna Wedler versieht ihre Rolle mit einer herzerfrischenden Natürlichkeit. Ähnlich eindrucksvoll ist der Freiburger Aaron Hilmer, der auch als Rapper überzeugt. Sehr amüsant sind die Einlagen von Heike Makatsch, die die Klassenlehrerin mit sichtbarer Freude den Schuldrachen verkörpert.

Nicht ganz jugendfrei

Anders als die zwar lustige, aber auch pubertär alberne „Fack ju Göhte“-Trilogie ist „Das schönste Mädchen der Welt“ eine Komödie, in der sich dank der guten Dialoge niemand unter seinem Niveau amüsieren muss, zumal interessante Schauplätze und originelle Drehbuch-Einfälle wie etwa eine Tanzeinlage im Museum für viel Abwechslung sorgen. Die schwungvolle Musik ist ohnehin klasse. Die Raps sind stellenweise nicht ganz jugendfrei, was die Freigabe ab zwölf Jahren erklärt.