Natalie Portman geht mit Haut und Haar in ihren Rollen auf. Ganz gleich, ob sie sich als Primaballerina durch Darren Aronofskys Horror-Melodram „Black Swan“ tanzte, oder ob sie in der Filmbiografie „Jackie“ die legendäre Präsidentengattin Jackie Kennedy verkörperte: Ihr Spiel ist immer wieder grandios.

Gleichzeitig kann man sich mitunter des Eindrucks nicht erwehren, dass ihr Perfektionismus zu einer etwas streberhaften Überspanntheit führt. Genau die ist es jetzt, die ihr in Brady Corbets „Vox Lux“ den entscheidenden Kick gibt. Es dauert allerdings eine Weile, bis Portman als Popstar Celeste auf der Leinwand auftaucht.

Das Lied zum Amoklauf

Zunächst steht Raffey Cassidy als Teenager-Version der später umjubelten Sängerin im Mittelpunkt, die anfangs eine normale Schülerin ist. Als es 1999 einen Amoklauf an ihrer Schule gibt und sie zu den Überlebenden gehört, verarbeitet sie das Ereignis in einem Lied und wird gefeiert. Schnell steigt das Mädchen zum Star auf, bis seine Karriere durch einen Skandal ins Straucheln gerät.

Raffey Cassidy spielt nicht nur Celestes Tochter, sondern auch die Sängerin selbst in jungen Jahren.
Raffey Cassidy spielt nicht nur Celestes Tochter, sondern auch die Sängerin selbst in jungen Jahren. | Bild: Atsushi Nishijima / KinoStar

Schnitt, Zeitsprung ins Jahr 2017. Auftritt Portman als ältere Celeste, die mit Problemen zu kämpfen hat: von Alkohol und Drogen über das schwierige Verhältnis zu ihrer Tochter Albertine bis zum Comebackversuch, der durch einen Terrorakt auf der Kippe steht.

Aufgeteilt in Kapitel wird der Film begleitet von Willem Dafoes lakonischem Off-Kommentar, der Musik von Scott Walker und den Popsongs von Sia. Im Zentrum stehen hervorragenden Schauspielleistungen: Jude Law taucht als Manager auf.

Natalie Portman beeindruckt

Raffey Cassidy ist stark in der irritierenden Doppelrolle als Teenie-Celeste und spätere Tochter des Superstars. Vor allem aber Natalie Portman als beschädigte Elektropop-Diva, die von der Popstar-Maschinerie vereinnahmt wurde, entwickelt eindrucksvolle Präsenz.

Natalie Portman als Celeste in einer Szene des Films „Vox Lux“.
Natalie Portman als Celeste in einer Szene des Films „Vox Lux“. | Bild: Atsushi Nishijima / KinoStar

Da kann man übersehen, dass Regisseur Corbet zahlreiche eigenwillige Ideen auffährt, um mit seinem Melodram eine komisch-dramatische Reflexion zu inszenieren, die – wenn auch nicht in jeder Hinsicht tiefgreifend – thematisch über einige Ebenen reicht.

Denn es geht ihm nicht nur darum, den Kosmos kommerzieller Massenpopkultur zu ergründen. Er bettet seinen Film in die Gegenwart mit ihrem Klima der Angst ein. „Vox Lux“ ist keine einfache Angelegenheit, aber ein ungewöhnlicher Film, der gleichermaßen finster-glamourös und angeschrägt-anregend ist.