Wenn sich Kino und Fernsehen mit der DDR beschäftigen, geht es meist um Jahrestage. Grimme-Preisträger Bernd Böhlich erzählt eine andere Geschichte. Hintergrund ist das Schicksal von „Kolonne links“, einer deutschen Agitprop-Truppe. 1933 gingen viele ihrer Mitglieder ins Exil nach Moskau, wo sie später im Zuge der stalinistischen Säuberung als angebliche trotzkistische Spione verhaftet wurden.

Böhlichs Drehbuch setzt 1952 ein, als Antonia Berger (Alexandra Maria Lara) nach zehn Jahren in einem sibirischen Arbeitslager freigelassen wird. Deutschland ist mittlerweile geteilt, in ihrer Heimat wird Stalin verehrt wie ein Heiliger. Deshalb muss sie schriftlich versichern, kein Wort über die Zeit im Gulag zu verlieren. Sie fügt sich, obwohl ihr Mann im Lager erschossen worden ist, und will ihren Teil dazu beitragen, den Sozialismus aufzubauen.

Es ist vor allem der historische Hintergrund, der „Und der Zukunft zugewandt“ zu einem besonderen Film macht. Die Umsetzung des 1957 in der Oberlausitz geborenen Regisseurs Böhlich ist eher sachlich, die Kamera verhält sich wie ein teilnehmender Beobachter.

Für einen Kinofilm bietet „Und der Zukunft zugewandt“ allerdings nicht genug Unterschiede zu einem guten Fernsehfilm. Außerdem sorgt ausgerechnet die Hauptfigur für Distanz: Alexandra Maria Lara ist zwar quasi automatisch Sympathieträgerin, aber Antonias Motive, einer Ideologie treu zu bleiben, die ihr zehn Jahre ihres Lebens geraubt und ihren Mann auf dem Gewissen hat, erschließen sich zu wenig. Daran ändern auch ihre entsprechenden aus dem Off verlesenen Tagebucheinträge nichts („Jeder Tag dient einem höheren Schicksal: dem Sieg der Revolution“).

Wie Fremdkörper wirken zudem die kurzen Zeitsprünge, als die Handlung ins Jahr 1989 hüpft: Antonia sieht im Fernsehen die Bilder der geöffneten Grenzübergänge, hält das absehbare Ende der DDR im Unterschied zu den meisten ihrer Mitbürger jedoch nicht für einen Grund zum Feiern; und das, obwohl sich die Prognose von Parteifunktionär Silberstein – „Es wird eine Zeit kommen, da werden wir über alles reden“ – nie bewahrheitet hat.

Vermutlich soll der Film vermitteln, dass das Ziel richtig war, der Weg dorthin allerdings nicht; deshalb darf Stefan Kurt seinen Silberstein auch sehr sympathisch verkörpern. Andererseits sagt der Mann auch „Wahrheit ist, was der Sache nützt.“ In diesem Satz bündelt sich die ganze Dialektik eines nur vermeintlich richtigen Lebens im falschen.

Abspann:

Buch und Regie: Bernd Böhlich

Darsteller: Alexandra Maria Lara, Robert Stadlober, Stefan Kurt

Länge: 108 Min., ab 12

Fazit: Düstere Geschichte, allzu distanziert erzählt.