Echte Freunde sind manchmal die besseren Feinde. Um diese Erkenntnis zu bestätigen, genügt mitunter ein ganz einfacher Versuchsaufbau: Zu einem erfreulichen Anlass lädt man den engsten Kreis zu sich nach Hause ein, wo sich der Abend dann aber statt zu einer ausgelassenen Feier zu einem abgründigen Desaster entwickelt – so wie in Sally Potters neuem Film. Der heißt zwar „The Party“, aber schon als Gastgeberin Janet (Kristin Scott Thomas) mit zerzausten Haaren, verlaufenem Make-up und einer Waffe in den zitterigen Händen an der Tür erscheint, weiß man, dass auf dieser Party einiges anders gelaufen ist, als es geplant war.

Wie es dazu kommt, wird in Schwarzweiß und in einer knapp 70-minütigen Rückblende erzählt. Anfangs ist alles ganz kultiviert: Janet, die ihre Berufung als britische Gesundheitsministerin im Schattenkabinett feiern will, trifft in der Küche die letzten Vorbereitungen. Ihr Mann Bill (Timothy Spall) legt derweil eine Blues-Platte auf, und obwohl er dabei schon recht apathisch wirkt, scheint noch alles in Ordnung. Nach und nach trudeln die Gäste ein: Janets beste Freundin Martha (Patricia Clarkson) bringt ihren Partner Gottfried (Bruno Ganz) mit, einen Heiler und Lebenscoach. Dann kommen noch ein koksender Banker (Cillian Murphy) und ein lesbisches Pärchen dazu. Nachdem alle auf die Gastgeberin angestoßen haben, lässt Bill schließlich eine Bombe platzen: Er hat Krebs. Im Endstadium.

Diese Nachricht stürzt „The Party“ aber nicht in ein Drama. Obwohl die Verzweiflung immer mitschwingt, ist das Geständnis vielmehr der Auftakt zu einem verbalen Gemetzel vermeintlicher Freunde. Bei dem werden Politik, Gesellschaft und große Fragen des Lebens gleich mitverhandelt. Auch das überwiegend linksliberale, intellektuelle Bürger-Milieu wird satirisch überspitzt auseinandergenommen, so wie es das Grüppchen miteinander tut.

Das mag zwar als Grundidee nicht sonderlich originell erscheinen, doch die Vollentgleisung funktioniert – nicht zuletzt dank des grandiosen Ensembles. Während der meist ins Leere starrende Spall eine stille Verzweiflung ausstrahlt, amüsiert Ganz mit seiner eigentümlich seligen Verstrahltheit. Allen voran begeistert Clarkson mit vergifteten Kommentaren über die gesellschaftliche Situation im Allgemeinen und über ihre nächste Umgebung. Nur Cillian Murphy kann seine Figur nicht ganz aus dem Klischee ziehen. Doch das kann man verschmerzen. Denn „The Party“ lässt die Tragik kaputter Beziehungen, unheilbarer Krankheit und zwischenmenschlicher Krisen in einer bitteren, kurzweiligen Mélange mit reichlich galliger Komik und schwarzem Humor zusammenfließen.

 

ABSPANN

Land: Großbritannien

Regie: Sally Potter

Darsteller: Kristin Scott Thomas, Timothy Spall, Patricia Clarkson, Bruno Ganz, Cillian Murphy

FSK: freigegeben ab zwölf Jahren

Länge: 71 Minuten

Verleih: Weltkino

Fazit: Schwarzhumoriges Kammerspiel mit einem grandiosen Ensemble.

Der Trailer zum Film