Das erste Date verläuft nicht sehr vielversprechend. Strafverteidigerin Queen (Jodie Turner-Smith) hat gerade einen Prozess verloren und kann den ungelenken Small-Talk-Versuchen des Warenhaus-Angestellten Slim (Daniel Kaluuya) nur wenig abgewinnen.

Wahrscheinlich würden sich die beiden nie wiedersehen, aber dann geraten sie auf dem Weg nach Hause in eine Verkehrskontrolle. Als Queen die Szene mit dem Smartphone filmen will, zieht der Polizist seine Waffe und schießt ihr ins Bein. Im nachfolgenden Kampf löst sich ein weiterer Schuss, der den Cop tödlich trifft.

Mit „Get Out“ wurde Schauspieler Daniel Kaluuya zum Star – nun überzeugt der 30-jährige Brite in „Queen & Slim“.
Mit „Get Out“ wurde Schauspieler Daniel Kaluuya zum Star – nun überzeugt der 30-jährige Brite in „Queen & Slim“. | Bild: Universal Pictures

Abhauen oder den Rest des Lebens hinter Gittern verbringen? So fasst Rechtsanwältin Queen die Handlungsoptionen nüchtern zusammen. Und so begeben sich die beiden auf die Flucht in Richtung Florida, wo sie auf eine Überfahrt nach Kuba hoffen.

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Natürlich ist der Vorfall schnell in den Medien – und das Video, das mit der Autokamera des Beamten aufgenommen wurde, geht innerhalb kürzester Zeit viral. Während die Polizei im ganzen Land sie sucht, steigen die Flüchtigen in der schwarzen Community zu Volkshelden auf.

Melina Matsoukas‘ herausragendes Spielfilmdebüt „Queen & Slim“ steht in einer Reihe mit klassischen Flucht-Road-Movies wie „Thelma & Louise“ (1991), „Butch Cassidy und Sundance Kid“ (1969) und „Bonnie und Clyde“ (1967). Die filmkulturelle Aneignung des Genres wird hier in die „Black Lives-Matter“-Kampagne eingebettet und geht doch weit über ein bloßes politisches Statement hinaus.

Wem können sie vertrauen?

Matsoukas inszeniert die Flucht von Queen und Slim zunehmend als mythische Reise. Die entscheidende Überlebensfrage ist auch hier: Wem kann man vertrauen? Und diese Ungewissheit lässt sich nicht immer anhand der ethnischen Zugehörigkeit klären.

Mit ungeheurem Stilwillen inszeniert Matsoukas ihr politisches Road-Movie, das äußerst differenziert über den rassistischen Status Quo der amerikanischen Gesellschaft meditiert und gleichzeitig eine höchst bewegende Liebesgeschichte erzählt. Kaluuya („Get Out“) und die britische Newcomerin Turner-Smith entwickeln eine enorme Präsenz, die in den hochdramatischen und in den leisen Momenten der Annäherungen gleichermaßen wirkt.