Dass Isabelle Huppert nicht nur eine der angesehensten Schauspielerinnen Europas und Spezialistin für die ganz besonders abgründigen und anspruchsvollen Rollen ist, sondern auch eine gehörige Portion Humor besitzt, ist nicht neu.

Trotzdem ist „Greta“, der neue Film der Französin, eine gute Erinnerung daran, wie viel Witz sie einer Geschichte tatsächlich verleihen kann. Und daran, dass ihre schauspielerische Qualität fast im Alleingang einen Film auf ein höheres Niveau heben kann.

US-Schauspielerin Chloë Grace Moretz überzeugt in der Rolle als naive junge Frau.
US-Schauspielerin Chloë Grace Moretz überzeugt in der Rolle als naive junge Frau. | Bild: Jamie McCarthy / AFP

Der neue Film von Regisseur Neil Jordan beginnt mit der jungen Amerikanerin Frances (Chloë Grace Moretz), die in der New Yorker U-Bahn eine vergessene Handtasche findet. Die Kellnerin, die den Tod ihrer Mutter noch nicht verwunden hat, macht die Besitzerin der Tasche ausfindig – und stößt auf die zurückgezogen lebende Witwe Greta (Huppert), eine Klavierlehrerin aus Frankreich, die ihre Tochter vermisst.

Was als ungewöhnliche Freundschaft zweier vermeintlich gar nicht unähnlicher Frauen beginnt, nimmt nach einer Entdeckung in Gretas Apartment eine psychotische Wendung. Und dann noch eine … und noch eine … und noch eine.

Die Handlung überrascht

Mehr über den Inhalt von „Greta“ zu verraten, wäre fahrlässig, denn wenn etwas an diesem Psychothriller Spaß macht, dann die rastlose, zusehends eskalierende und mitunter durchaus überraschende Handlung. Nur so viel: Frances‘ Mitbewohnerin (Maika Monroe), einem Hund und einem Keksausstecher kommen Schlüsselfunktionen zu.

Davon abgesehen allerdings sollte man gewarnt sein. Neil Jordan wandelt auf einem extrem schmalen Grat zwischen Hochglanz-Krimi und Trash, stilisiertem Melodram und reißerischem Stalker-Irrsinn, fieser Satire und unfreiwilliger Komik. Mehr als einmal stürzt er dabei auf der falschen Seite hinunter – gerade, was die Dialoge angeht.

Isabelle Huppert in Hochform

Allzu ernst sollte man den Film nicht nehmen, selbst wenn einige der Beteiligten genau das zu tun scheinen. Isabelle Huppert immerhin gehört nicht dazu. Stattdessen scheint sie eine so große Freude an der Rolle zu entwickeln, dass sie – im wahrsten Sinne des Wortes – in Höchstform durch den mitunter recht bizarren Film tänzelt und man sich davon durchaus anstecken lässt.

Das macht aus „Greta“ keinen guten Film. Aber dank Huppert wird er immerhin sehr viel unterhaltsamer, als man es eigentlich erwarten dürfte.