Wenige Genres sind derart fester Bestandteil amerikanischer Filmkultur wie die High-School-Komödie – und wenige sind auch derart beständig. Spätestens seit den 1980er-Jahren hat jede Generation ihre ganz eigenen stilprägenden Vertreter, von „The Breakfast Club“ über „Clueless“ bis „Mean Girls“. Mit „Love, Simon“ kommt nun der neueste Beitrag in die deutschen Kinos, der dem Genre abermals ein zeitgemäßes Update verpasst.

Simon (Nick Robinson, „Jurassic World“) ist ein durchschnittlicher US-Teenager: Zu Hause im Vorort von Atlanta gibt es mit Mutter (Jennifer Garner), Vater (Josh Duhamel) und der kleinen Schwester keine größeren Probleme, eine beste Freundin (Katherine Langford, „Tote Mädchen lügen nicht“) und eine nette Clique hat er auch, und in Schule läuft soweit alles gut. Nur dass er schwul ist, hat der 16-Jährige noch niemandem erzählt. Als einer seiner Mitschüler online anonym von seiner eigenen Homosexualität berichtet, nimmt Simon per E-Mail Kontakt zu ihm auf – und will alles daran setzen herauszufinden, wer der junge Mann ist, in den er sich unbekannterweise zusehends zu verlieben beginnt. Dass er dabei sein Geheimnis nicht auf Dauer für sich behalten kann, versteht sich von selbst.

Dass Regisseur Greg Berlanti (sonst für TV-Serien wie „Arrow“ oder „The Flash“ verantwortlich) die Romanvorlage „Nur drei Worte“ von Becky Albertalli nach gängigen Teenie-Konventionen umgesetzt hat, ist unbestritten. Genau darin allerdings liegt die Stärke von „Love, Simon“. Denn tatsächlich hat es im Mainstream-Kino eine solche Geschichte – größtenteils erwartbar, sympathisch, unterhaltsam – bis zum Jahre 2018 noch nie mit einem schwulen Protagonisten gegeben.

Dass der Film dabei weder problematisiert noch allzu tief schürft, ist gerade der springende Punkt, schließlich spricht er genau die Kids an, die hier auch im Zentrum stehen, aufgewachsen mit all den High-School-Komödien, die längst fest im Kanon der amerikanischen Unterhaltungskultur verankert sind. Aber auch alle anderen dürfen sich von „Love, Simon“ charmant das Herz wärmen lassen – und bedauern, dass es eine solche Geschichte nicht auch schon in ihrer Jugend gab. Und daran, dass auch heute noch eine solche Geschichte wichtig sein kann für so manchen Teenager, der oder die sich nicht mit der heterosexuellen Mehrheit identifizieren kann, besteht sowieso kein Zweifel.

Abspann

Produktionsland: USA 2018

Regie: Greg Berlanti

Darsteller: Nick Robinson, Jennifer Garner, Josh Duhamel, Katherine Langford u.a.

Länge: 109 Minuten

FSK: freigegeben ohne Altersbeschränkung

Verleih: Twentieth Century Fox

Fazit: Ungemein sympathischer, formal konventioneller Film, der durch seinen Protagonisten erstaunliche Relevanz bekommt.