Sein großer Traum, im sechsten Anlauf und fast 40 Jahre nach seinem Spielfilmdebüt endlich die Goldene Palme in Cannes gewinnen zu können, wurde für Pedro Almodóvar auch 2019 nicht Wirklichkeit. Zu einem der Höhepunkte des dortigen Filmfestivals gehörte sein neuer Film allerdings trotzdem.

Davon, dass „Leid und Herrlichkeit“ der beste Film des Spaniers seit sicherlich einem Jahrzehnt ist, kann sich nun auch das deutsche Kinopublikum überzeugen.

Schauspieler Antonio Banderas bei der Verleihung der Goldenen Palme als bester Schauspieler im Film „Leid und Herrlichkeit“ beim Filmfestival in Cannes.
Schauspieler Antonio Banderas bei der Verleihung der Goldenen Palme als bester Schauspieler im Film „Leid und Herrlichkeit“ beim Filmfestival in Cannes. | Bild: Vianney Le Caer / Invision / dpa

Im Zentrum der wie stets selbst verfassten Geschichte steht der Filmemacher Salvador Mello (Antonio Banderas), der sich von der Arbeit an der Kamera verabschiedet und in seine mit Kunst vollgestopfte Madrider Wohnung zurückgezogen hat, wo er vor allem damit beschäftigt ist, seine Schmerzen in den Griff zu bekommen.

Doch einige Begegnungen mit und Erinnerungen an alte Wegbegleiter – darunter ein Schauspieler, mit dem er sich einst überworfen hatte, ein früherer Lebensgefährte sowie seine Mutter (in Rückblenden von Penélope Cruz gespielt) – bringen ihn, unterstützt von Drogen und Medikamenten, dazu, sich mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Mit einem Augenzwinkern

Sie hasse Auto-Fiktion, sagt eine Figur an einer Stelle des Films, was von Almodóvar natürlich nur augenzwinkernd gemeint sein kann, schließlich ist „Leid und Herrlichkeit“ genau das. Dass Banderas, der in Cannes hochverdient den Darstellerpreis gewann, letztlich niemand anderen als seinen Regisseur selbst verkörpert, lässt sich an seiner Frisur und den Kostümen erkennen.

Doch wer sich ein wenig auskennt mit Werk und Biografie Almodóvars, wird hier auch inhaltlich unzählige Bezüge und Referenzen entdecken, vom Erwachen homosexuellen Begehrens in der Kindheit über die ebenso wichtige wie komplizierte Beziehung zur Mutter bis hin zum nicht immer einfachen Verhältnis zum eigenen Erfolg.

Ein sehr persönlicher Film

Man muss nicht wissen, dass das in „Leid und Herrlichkeit“ gezeigte Apartment eine angeblich fast identische Nachbildung von Almodóvars Wohnung ist, um sich von der Emotionalität und Melancholie dieses meisterlich erzählten Films berühren zu lassen. Dass er etwas sehr Persönliches ist, spürt man auch jenseits aller selbstreflexiven Bezüge – oder nicht gewonnenen Preise – sofort.