Im Sommer 2000 sind infolge einer Torpedo-Explosion an Bord des russischen Atom-U-Boots „Kursk“ über hundert Menschen ums Leben gekommen. Das allein wäre schon traurig genug gewesen, aber es gab eine Tragödie innerhalb des Unglücks: 23 Männer konnten sich ins Heck des Schiffs retten – doch auch sie sind gestorben.

Ihr Tod war das Ereignis einer fatalen Mischung aus Unfähigkeit und falschem Stolz, weil die Russen auf ausländische Unterstützung bei der Rettung verzichten wollten. Als klar wurde, dass sie Hilfe brauchen, waren die eingeschlossenen Seeleute bereits tot.

Bild: Wild Bunch Germany

Hollywood würde einen derartigen Stoff wohl nicht verfilmen: viel zu düster und kein Happy End. „Kursk – Niemand hat eine Ewigkeit“ ist eine europäische Koproduktion. Treibende Kraft hinter dem Projekt ist Luc Besson. Der Franzose steht für großes Kino.

Bei „Kursk“ hat er die Regie jedoch Thomas Vinterberg hinterlassen, und das war vermutlich ein Fehler. Der Däne hatte 1998 mit dem Familiendrama „Das Fest“ entscheidenden Anteil am Weltruhm der Dogma-Bewegung.

Der Däne Thomas Vinterberg hat bei „Kursk“ Regie geführt.
Der Däne Thomas Vinterberg hat bei „Kursk“ Regie geführt. | Bild: Geoffroy van der Hasselt / AFP

Deren Manifest richtete sich gegen die zunehmende Wirklichkeitsentfremdung des Kinos, die aus dieser Haltung heraus entstandenen Filme verzichteten auf digitale Effekte und bedienten sich einer beinahe dokumentarischen Bildgestaltung. Würde ein Hollywood-Studio einen Regisseur für ein Leinwandspektakel suchen, stünde Vinterberg vermutlich nicht ganz oben auf der Liste.

Trotzdem hätte „Kursk“ ein großes Werk werden können, denn die Dogma-Dogmen schließen Emotionen ja keineswegs aus. Gerade in dieser Hinsicht hat der Film jedoch Mängel. Wo Hollywood alle Spannungsregister gezogen hätte, bleibt Vinterbergs Arbeit distanziert. Der bewegendste Moment ereignet sich nicht unter Wasser, sondern an Land, als die Frauen und Mütter der Seeleute die Wahrheit erfahren wollen.

Kein Vergleich zu „Das Boot“

Die U-Boot-Szenen rufen nicht mal annähernd jene Beklemmungen hervor, wie sie Wolfgang Petersen 1981 in „Das Boot“ gelungen sind. Das liegt auch an der quasi-dokumentarischen Bildgestaltung.

Schade ist es um die namhafte Besetzung: Matthias Schweighöfer und August Diehl können bloß im Prolog glänzen. Sehenswert sind dagegen Colin Firth als britischer Commodore und Peter Simonischek als Befehlshaber der russischen Nordmeerflotte.