Entscheidet man sich nach dem Anblick des Plakats spontan in der Kinolobby für „Sweethearts“, landet man wahrscheinlich nicht im erhofften Film. Denn vom Titel bis hin zu den Köpfen von Karoline Herfurth und Hannah Herzsprung, die wie beste Freundinnen wirken, drängt sich hier zunächst die Vermutung auf, dass Herfurth bei ihrer zweiten Regiearbeit da weitermacht, wo sie bei ihrem Debüt „SMS für dich“ aufgehört hat.

Das ist aber irreführend, überwiegend zumindest. Denn auch wenn sich eine Liebesgeschichte einschleicht, ist der Film keine romantische Komödie – vielmehr stößt Herfurth mit „Sweethearts“ ins Genre der Actionkomödie vor.

Karoline Herfurth in Doppelfunktion

Die 34-Jährige tritt dabei erneut in einer Doppelfunktion auf: Neben der Regie hat sie die Hauptrolle übernommen. Sie ist Franny, eine junge Singlefrau, die in Berlin in einer Agentur arbeitet, gestresst von Panikattacken durch ihr Großstadtleben tollpatscht und gerade von ihrer Chefin zwangsweise in den Urlaub geschickt wurde.

Durch einen dummen Zufall begegnet sie Mel (Hannah Herzsprung) – in einer Situation, die normalerweise alles andere als freundschaftsstiftend wäre: Weil die alleinerziehende Mutter Mel Geld braucht, überfällt sie einen Juwelier. Als sie danach beinahe geschnappt wird, nimmt sie Franny als Geisel.

Die Schauspieler Anneke Kim Sarnau und Ronald Zehrfeld bei der Weltpremiere des Films "Sweethearts" in Berlin.
Die Schauspieler Anneke Kim Sarnau und Ronald Zehrfeld bei der Weltpremiere des Films "Sweethearts" in Berlin. | Bild: Gerald Matzka / dpa

Anfangs werden vor allem die Kontraste zwischen den Protagonistinnen ausgespielt. Während Herfurth dabei mehr angestrengt als wirklich komisch wirkt, wenn Franny gegen ihre Panikattacken mit dem Handyspiel „Banana Kong“ anspielt, kehrt Herzsprung glaubhaft ihre toughe Seite heraus und langt als Mel schon mal kräftig zu.

Als die beiden auf der Flucht schließlich zu Freundinnen werden, stößt Frederick Lau als Polizist zu ihnen. Er wird ebenfalls als Geisel genommen, als die Frauen längst Komplizinnen sind, muss körperlich einiges einstecken und ist lädiertes Lust- und Liebesobjekt zugleich.

Logik ist nicht die Stärke des Films

Dass Täterin und Geisel von einer Szene zur nächsten Freundinnen werden, muss man glauben wollen. Überhaupt sollte man sich nicht allzu viele Fragen über Handlung und Logik stellen, während man dem Trio bis zum Showdown mit ungewissem Ausgang folgt.

Bis dahin begegnet man bekannten Gesichtern wie Ronald Zehrfeld als Gangsterboss und Katrin Sass als nonchalante Mutter. Herfurth verlötet unterschiedlichste Elemente: „Sweethearts“ ist Thriller, Action, Lovestory und die Geschichte einer Freundschaft.

„Der Film ist eine reine Unterhaltungsfantasie, bei der Humor und Slapstick selten mehr als amüsant sind und die Action nur durchschnittlich explosiv poltert. Als deutsches Mainstream-Kino ist der Film trotz aller Schwächen immer noch eine bessere Alternative zu Schweiger, Schweighöfer und Co.