Menschen, die den Klimawandel leugnen, sind noch immer keine Seltenheit. Doch das, was die Polizisten Cliff Robertson (Bill Murray) und Ronald Peterson (Adam Driver) im beschaulichen, keine 800 Einwohner zählenden Örtchen Centerville an irritierenden Phänomenen wahrnehmen, geht in „The Dead Don‘t Die“ weit über heiße Sommer hinaus.

Während sonst ein Hühnerdiebstahl schon zu den aufregendsten Verbrechen zählt, die es aufzuklären gilt, verschwinden die Tiere nun plötzlich reihenweise, Uhren und Handys setzen aus und die Sonne scheint auch kaum mehr unterzugehen.

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Vor allem aber erwachen – ausgelöst durch Fracking an den Polarkreisen und eine dadurch veränderte Erdrotation – die Toten in Centerville wieder zum Leben, denn Jim Jarmuschs neues Werk ist ein waschechter Zombiefilm. Wobei natürlich falsch liegt, wer nun einen klassischen, auf Horror fokussierten Genre-Beitrag erwartet.

Anders, als die Kinovorschau vermuten lässt, ist „The Dead Don‘t Die“ ein typischer Jarmusch: eine lakonische, mit beseelter Ruhe erzählte Komödie zwischen Fatalismus und Hoffnung, voller schräger Momente und einem prominenten Ensemble, in dem neben Driver vor allem Tilda Swinton als seltsame Bestatterin brilliert, während Murray unterfordert ist und sich auch Tom Waits, Iggy Pop oder Popstar Selena Gomez die Ehre geben.

Das Team von „The Dead Don‘t Die“ bei den Filmfestspielen in Cannes im Mai 2019 (von links): Produzent Joshua Astrachan, die Schauspielerinnen Sara Driver, Tilda Swinton und Selena Gomez, Regisseur Jim Jarmusch, die Schauspielerin Chloë Sevigny und ihr Kollege Bill Murray sowie Produzent Carter Logan.
Das Team von „The Dead Don‘t Die“ bei den Filmfestspielen in Cannes im Mai 2019 (von links): Produzent Joshua Astrachan, die Schauspielerinnen Sara Driver, Tilda Swinton und Selena Gomez, Regisseur Jim Jarmusch, die Schauspielerin Chloë Sevigny und ihr Kollege Bill Murray sowie Produzent Carter Logan. | Bild: Joel C Ryan / Invision / AP / dpa

Den Ursprüngen des modernen Zombiekinos bleibt Jarmusch allerdings ohne Frage treu. Wo schon George Romero in den späten 60ern und frühen 1970er-Jahren die Untoten als Metapher zur Kapitalismuskritik nutzte, haut Jarmusch nun in die gleiche Kerbe.

Auch in „The Dead Don‘t Die“ geht es nicht nur um die Folgen der Umweltzerstörung, sondern die Zombies sind gleichzeitig Täter wie Opfer eines zügellosen Materialismus, denen hier mindestens so sehr wie nach Blut nach WLAN-Zugang oder billigem Chardonnay gelüstet.

Luka Sabbat (von links) als Zack, Selena Gomez als Zoe und Austin Butler als Jack in einer Szene des Films „The Dead Don‘t Die“.
Luka Sabbat (von links) als Zack, Selena Gomez als Zoe und Austin Butler als Jack in einer Szene des Films „The Dead Don‘t Die“. | Bild: Image Eleven Productions, Inc. / dpa

Seine Botschaft allerdings bringt Jarmusch dabei allzu überdeutlich an den Mann, was dem Film ein wenig die Leichtigkeit nimmt und vor allem nie eine etwas tiefer gehende Intellektualität aufkommen lässt, wie sie etwas seinen letzten Genre-Abstecher, die Vampirgeschichte „Only Lovers Left Alive“ ausmachte.

Stattdessen verpasst er „The Dead Don‘t Die“ noch eine Metaebene, in dem er an zwei Stellen seine beiden Protagonisten darüber sprechen lässt, dass sie sich in einem Jarmusch-Film befinden. Zu den durchaus reichlich vorhandenen gelungenen Szenen des Films gehört diese überflüssige, zu wenig ausgearbeitete Idee allerdings nicht.